Raphaela Brandner

 

Sauberer Brauch

Ein Pater und ein Unternehmer wollen ein uraltes Ritual wieder in den Alltag integrieren.

Für Pater Pausch ist die rituelle Waschung in Zeiten religiöser und wirtschaftlicher Krisen ein Signal der Menschlichkeit. Bei den Benediktinermönchen hat gegenseitiges Händewaschen eine lange Tradition. Nachdem es ehedem Aufgabe der Sklaven gewesen war, betraute Ordensgründer Benedikt von Nursia den Abt eines Klosters mit der Waschung seiner Gäste. „Die Mönche führten früh Rituale der Gastfreundschaft zur Erleichterung der Schwellensituation beim Betreten eines Klosters ein“, so Pausch.

Seit es Fließwassers in Häusern gibt, ist das Waschritual vergessen. Parallel dazu hat es Platz in der Liturgie gefunden. Im Kloster Gut Aich wird die rituelle Hand- bzw. Fußwaschung heute etwa bei der Aufnahme eines neuen Mönchs ins Noviziat, bei der Ankunft von Gästen oder beim Abschlussritual von Fastenkuren praktiziert. „Es reichen dafür eine Schüssel, ein Krug mit Wasser, ein Handtuch und die innere Haltung echter Menschlichkeit“, sagt Pater Pausch. „In seiner Einfachheit ist dieses Ritual leicht nachzuvollziehen, in seiner Tiefe ist es nur durch persönliche Erfahrung zu begreifen.“

Rituelle Waschungen spielen an allen Schwellen des menschlichen Lebens eine Rolle. Nach der Entbindung wird das Neugeborene gewaschen, ein Leichnam eines Menschen wird gewaschen. „Der Akt des rituellen Waschens kann helfen, Grenzsituationen zu überwinden und eine neue Sicherheit zu gewinnen“, so Pater Pausch.

Durch die Einreichung des Rituals als immaterielles Weltkulturerbe bei der UNESCO will Rogner nun gemeinsam mit den Benediktinern die Wahrnehmung für das Miteinander in der Gesellschaft stärken.