Grünere Wüsten dank Einzellern?

Foto: ap/Jonas Schilke

Produktive Landwirtschaft in Wüsten? Klingt unvorstellbar, ist es aber nicht, sagen Forscher der Vereinigten Arabischen Emirate. Ihnen zufolge könnte der Schlüssel zu grüneren Wüsten bei unscheinbarsten Kleinstlebewesen liegen- genauer gesagt bei Knöllchenbakterien der Gattung Rhizobia.

 

Denn die fühlen sich in den Wurzelknöllchen vieler Feldfrüchte pudelwohl, werden sie doch von diesen mit wertvollen Nährstoffen versorgt. Die Gegenleistung bleibt nicht aus: Die Einzeller verfügen über die seltene Gabe, Stickstoff aus der Luft zu fixieren; dieser kommt wiederum den Pflanzen zugute.

 

Souveräner Umgang mit extremen Bedingungen

 

Laut Nanduri Rao, einem der Forscher vom International Center for Biosaline Agriculture (ICBA) mit Sitz in Dubai, kommen die einheimischen Bakterien mit den extremen Bedingungen der Wüste bestens klar: Den von den Wissenschaftlern aus den Wurzelknöllchen dreier verschiedener Feldfrüchte isolierten Einzellern konnten weder die Hitze noch ein saurer, stark salzhaltiger Boden oder Schwermetalle so schnell etwas anhaben. Damit sind sie geradezu prädestiniert für eine qualitative Verbesserung des Bodens und des Pflanzenwachstums in den heißesten und trockensten Regionen unserer Erde.

 

Die im Emirates Journal of Food and Agriculture veröffentlichte Studie, die in Zusammenarbeit mit dem Birla Institute of Technology and Science (BITS) durchgeführt wurde, erntet auch außerhalb von Dubai Beifall: „Darin steckt jede Menge Potenzial für die Verbesserung pflanzlicher Produktivität unter extremen Bedingungen- auch in Wüsten“, lobt Professor Philippe Normand, der an der französischen Universität Claude Bernard Lyon 1 den Lehrstuhl für Mikrobioökologie bekleidet.

 

"Wüstenausbreitung entgegenwirken"

 

Wie sein Kollege Daniele Daffonchio, Professor für Mikrobiologie an der Universität Mailand ist Normand außerdem an dem EU-geförderten Projekt BIODESERT beteiligt. Daffonchio: „Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, in den trockensten Gebieten Nordafrikas Mikroben zu identifizieren, die den Pflanzen im Kampf gegen den ständigen Wassermangel erfolgreich beistehen können.“ Gelingt dieses Unterfangen, könnte das landwirtschaftliche Potenzial von Wüstenregionen erheblich verbessert werden. Ein Teil der BIODESERT-Arbeiten wurde bereits im Fachblatt PLOS ONE veröffentlicht.

 

Ameur Cherif, Professor für mikrobielle Biotechnologie tunesischen Universität Manouba verspricht sich noch mehr von BIODESERT: „Dürre- und wassermangelresistente Bakterien könnten im Kampf gegen die Wüstenausbreitung in vielen südlichen Ländern der entscheidende Faktor sein“, so der Ko-Autor der PLOS ONE-Studie. NISO

 

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