Wie nachhaltig ist der Öko-Landbau?

Um folgenden Generationen eine gesunde Erde zu ermöglichen, müssen wir lernen nachhaltig zu produzieren und sorgsam mit gegebenen Ressourcen umzugehen. Allerdings ist bisher nicht genau festgelegt, was mit Nachhaltigkeit genau gemeint ist. Dies macht es schwierig, für einen nachhaltigen Ökologischen Landbau einen optimalen Standort zu bestimmen.

Von Landwirten wird heutzutage schier Unmögliches verlangt. So sollen sie nicht nur unsere Lebensmittelproduktion deutlich erhöhen und als Energielieferant herhalten, sondern gleichzeitig die CO2-Bilanz und den Wasserverbrauch verringern, weniger Stickstoff und Mittel zur Schädlings- und Unkrautbekämpfung einsetzen, Richtlinien zum Tierschutz einhalten und die biologische Vielfalt fördern.

Mittlerweile ist uns bewusst, dass wir nicht mehr rücksichtslos und verschwenderisch mit den uns zur Verfügung stehenden, nicht erneuerbaren, Ressourcen und Umweltgütern umgehen können. Ein nachhaltiger Ressourcenverbrauch wird allerdings immer dann zum Problem, wenn dieser für soziale Kosten sorgt, die nicht in den Marktpreis des Produkts einfließen.

 

Der DBV hat es sich zur Aufgabe gemacht, konventionelle und ökologische Landwirtschaft in Einklang zu bringen und durch einen gemeinsamen Lösungsansatz einen Weg zur nachhaltigen Landwirtschaft zu finden.

Die ersten Ideen zur Nachhaltigkeit wurden bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Rudolf Steiner aufgestellt. Zu einer Zeit, als Stickstoffauswaschung, CO2-Bilanzen und mangelhafter Biodiversität noch kein Thema waren.

Die Diskussionen zur Nachhaltigkeit umfassen grundsätzlich die komplette Landwirtschaft und setzen sich im Besonderen mit den Aufgaben des Ökologischen Landbaus auseinander. Verbote zum Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln und schnelllöslicher mineralischer Stickstoffverbindungen führten zum Kreislaufprinzip im Biolandbau.

Wie wichtig sauberes Trinkwasser ist, bewiesen die Leipziger Wasserwerke. So wurde Landwirten, eine Prämie gezahlt, wenn sie weder Stickstoff noch chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel bei ihren Produkten einsetzen.

 

Konzepte der Nachhaltigkeit richtig miteinander vergleichen

Bisher gibt es noch keine ausgearbeitete Strategie, um die unterschiedlichen Konzepte zur Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft untereinander und dem der Bundesregierung zu vergleichen. Zwei Bewertungssysteme stechen dennoch hervor: Zum einen das Kriteriensystem Nachhaltige Landwirtschaft (KSNL), mit seiner beratenden und bewertenden Funktion, und das für den Ackerbau entwickelte DLG-Zertifizierungssystem. Beide ignorieren die Kreislaufwirtschaft als Kernthema im Ökologischen Landbau gemäß der von Bio-Anbauverbänden erstellten Richtlinien. Weil EU-Bio Landwirten eine teilweise Umstellung des eigenen Betriebs und die nicht niedrige Einfuhrmenge von Wirtschaftsdünger erlaubt, kann man hier nicht von einer Kreislaufwirtschaft reden.

Auch heute befinden sich viele Landwirtschaftsbetriebe in Familienbesitz und werden an die nächste Generation weiter gegeben. Der so entstehende Generationenvertrag entspricht vollkommen dem Grundgedanken der Nachhaltigkeit im Landbau. Eins der bedeutendsten Kriterien im nachhaltigen Wirtschaften ist ein in sich geschlossener Kreislauf bei Nährstoffen und Energien. Weitere Kriterien sind unter anderem die Förderung von Biodiversität, kompletter Verzicht auf chemische Mittel, Gebrauch alter Bauwerke und artgerechte Haltung der Nutztiere.

 

Cross-Compliance-Regelung

Neben der Einhaltung einer geschlossenen Kreislaufwirtschaft fordern deutsche Bio-Anbauverbände das aktive Mitwirken beim Gestalten von Lebensräumen. Außerdem setzen sie Grenzen. Um die Umsetzungen zu überprüfen mangelt es bislang aber an Wirkungsindikatoren. Während die Richtlinien für die Bereiche Abfall und Wasser hervorragend ausgearbeitet sind, hinken Ökonomie, Klima und Soziales noch deutlich hinterher. Nimmt man alle Faktoren zusammen, lässt sich leicht erkennen, dass noch viele Aspekte im Ökologischen Landbau erarbeitet werden müssen.

Bei Cross-Comliance handelt es sich um eine Aufstellung von Standards. Da Cross-Compliance nicht entwickelt wurde, um einen dauerhaften Verbesserungsablauf zu initiieren, kann diese auch nicht mit den Nachhaltigkeitssytemen verglichen werden sondern nur als Mindeststandard dienen.

 

Richtungsweisende Kompetenzen eines Betriebsleiters

Ergebnisse eines, von verschiedenen Organisationen nachhaltigen Landwirtschaft, unterstützten Forschungsprojekts zeigten, wie enorm die Fähigkeiten eines Betriebsleiters im Bereich Planung in die Nachhaltigkeit des Betriebes einfließen. Untersucht wurden jeweils 40 Betriebspaare des konventionellen und ökologischen Landbaus unterschiedlicher Agrarräume. Es stellte sich heraus, dass konventionelle Betriebe, die optimal verwaltet werden, bislang besser mit ihren Leistungen in Nachhaltigkeit abschneiden, als ein durchschnittlicher Öko-Betrieb.

Obwohl derzeitige Öko-Betriebe noch lange nicht alle Standards verwirklichen können, wird ihnen eine aufstrebende Zukunft im nachhaltigen Ökologische Landbau prognostiziert. Haben sie erst einmal einen Weg gefunden, um in ihren Betrieben eine authentische Kreislaufwirtschaft umzusetzen, deren Betrieb mit geringen Mengen importierter Energie arbeitet, lassen Öko-Betriebe unausgereifte Nachhaltigkeitssiegel schnell hinter sich. Bevor der Ökologische Landbau allerdings zum Nachhaltigkeitsstandard werden kann, müssen Möglichkeiten erarbeitet werden, um die Kriterien zur Verbesserung und Prüfbarkeit von Nachhaltigkeit in die Richtlinien zu integrieren.

 

Erfolgsaussichten des nachhaltigen Landbaus in der Zukunft

Wäre es nicht wunderbar, wenn wir über die Technologien verfügen würden, um Nahrungsmittel aus nachhaltiger Landwirtschaft für die selben Stückkosten produzieren zu können, wie es bereits bei regenerativer Energie möglich ist? Nur mit authentischen Zielvorstellungen können wir dies erreichen. So könnte sich zum Beispiel Soja bis zum Jahre 2030 an die Klimaverhältnisse der Region angepasst haben und Pflanzenarten, wie die Lupinen liefern trotz schwacher Standorte einen Ertrag von 5 Tonnen je Hektar. Diese Hülsenfrüchtler nehmen ein Viertel Anbaufläche ein. Neben Stickstoff bringen Sie hochwertiges Eiweißfutter hervor. Somit kann auf extern zugeführtes Eiweiß verzichtet werden. Um Marktrisiken abzumildern werden Nutztiere wieder in den Betriebe gehalten. Für die Herstellung von Biogas und Elektrizität wird neben Stallmist auch Kleegras und naturbelassenes Gras verwendet.

Mit diesem Biogas werden nun mehr die Traktoren betrieben. Grunddünger wird aus Resten von Gärprozessen gewonnen. AHL entsteht direkt im geschlossenen Kreislauf. Öko-Betrieb sind somit von externen Energie- und Düngerquellen vollständig unabhängig und können gleichzeitig andere Dörfer und Städte mit Bio-Energie versorgen. Kulturpflanzen zeichnen sich durch hohe Resistenz gegen Krankheiten aus und können über ihre Wurzeln deutlich mehr Nährstoffe aus den Böden ziehen. Landwirtschaftliche Geräte sind mit GPS, Lasern und komplexen Kameras ausgestattet und ermöglichen das computergesteuerte Bekämpfen von Unkraut und Schädlingen. Chemische Mittel zur Pilzbekämpfung werden von nun mehr gleichwertigen organischen Mitteln abgelöst. Künstliche Pheromone locken gezielt Nützlinge an. Sollten sich diese Zukunftsvisionen umsetzen lassen, erhalten wir in wenigen Dekaden unsere Nahrungsmittel nur noch aus biologischen Anbaugebieten der umliegenden Regionen und unsere Energie stammt aus vollkommen umweltschonender Produktion.

 

Effizienzsteigerung als Forschungsmittelpunkt

Der bisherige Einsatz von chemisch hergestellten Mitteln sorgt zwar für eine stabile Nahrungsmittelsicherheit und eine fast flächendeckende Welternährung, ist aber nicht frei von Nebenwirkungen. Mit neuen, noch in der Entwicklung steckenden ,Technologien wäre es in naher Zukunft möglich, auch bei hoher Produktivität nachhaltig zu wirtschaften. Begründet auf die Überproduktion vor 30 Jahren wurden öffentliche Produktivitätsforschungen fast gänzlich eingestellt. Nur noch Betriebe in den Bereichen Saatgut und Pflanzenschutz betrieben weiterhin Forschung. Heute fehlt daher eine kommerziell orientierte Agrar-Forschung fast komplett. Diese wäre aber, in Hinblick auf die Entwicklung hochwertiger Verfahren zur Steigerung nachhaltiger Produktivität, dringend notwendig.

Wie bei jedem Produkt müssen auch nachhaltige Produktionsverfahren und Ökologischer Landbau langfristig wettbewerbsfähig werden, um überhaupt am Markt erfolgreich zu sein. Dafür ist es notwendig mit steigender Effizienz zu produzieren. Ein einschneidender Forschungsanstieg in der Technologie, wäre hier ein immenser Fortschritt für nachhaltige Produktionsverfahren.

 


25.07.2016 11:45

Hagen Petters

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