Doch für das nächste Mal nimmt man sich vor: Das kann ich auch. Und so werden aus alten Reibeisen dekorative Lampen, aus alten Büchern Couchtische, aus Plastikflaschen Blumentöpfe, u.s.w. Alles Mögliche und Unmögliche wird einem neuen Zweck zugeführt. Das alles nicht nur, um das Gewissen in unserer Überfluss- und Wegwerfgesellschaft zu beruhigen, sondern auch: Weil es Spaß macht, kreativ zu sein.
Auch wenn der Begriff Upscaling neu ist, der Gedanke dahinter ist uralt: Aus alt mach neu. Das haben schon unsere Großeltern gewusst. Wer ist nicht in seiner Kindheit in alten Autoreifen geschaukelt? Wer hat nicht alte Hosen oder Röcke abgeschnitten, um daraus ein neues Kleidungsstück zu kreieren? Wer hat nicht aus Filmdosen oder Ü-Eier-Dosen Rasseln gebaut? Kinder haben eine spielerische, kreative Ader zum Upscaling. Diese gilt es als Erwachsender wieder zu entdecken.
Doch heute ist kreatives Recycling mitunter in Vergessenheit geraten und die Industrie verkauft völlig unnötige Dinge wie ein Dosenwurfset für den Kindergeburtstag. So wird unnötig neuer Müll produziert anstatt ihn zu vermeiden. Dabei ist das aus fünf alten Dosen und drei weichen Bällen genauso gut.
Was ist beim Upscaling zu beachten
Eigentlich: Nichts Besonderes. Wer einen Pinsel in der Hand halten, einen Nagel halbwegs verletzungsfrei einschlagen kann oder schon mal eine Bohrmaschine bedient hat, der kann alten Dingen neues Leben einhauchen. Einfach mit offenen Augen durchs Leben gehen, sich auf Flohmärkten Anregungen holen, Bastelmärkte und Baumärkte nach Schnäppchen durchforsten und sich räumlich und zeitlich etwas Freiraum verschaffen. Danach alte Dinge einfach hemmungslos zweckentfremden.
Natürlich sollte fürs ökologische Upscaling nur etwas verwendet werden, was ansonsten nicht wieder verwertet werden kann. Mehrwegflaschen sollten also besser zurückgebracht werden – Einwegflaschen (erst recht pfandfreie) können verwertet werden. Entsprechend sollten auch die Materialien, mit denen basteln, umweltfreundlich sein – etwa Farben und Lacke. Sinnvoll ist es auch, möglichst wenig Energie zu verbrauchen – also einmal mehr zur Handsäge greifen als zur Motorversion.
Ansonsten muss nur noch auf Sicherheit geachtet werden – sowohl beim Herstellen der neuen Kreationen als auch bei der Alltagstauglichkeit der Stücke. – Einmal an die Wand gebohrt, sollten sie dort auch halten. Zunächst einmal sollten Anfänger mit einfacheren Dingen beginnen, die kein besonderes handwerkliches Geschick benötigen. Entsprechende Kurse zum Erlernen der Handwerkskunst bieten Volkshochschulen oder private Institute.
Hier ein paar Ideen für Ihre alten Kellerfundstücke
Lampen aus alten Tassen
in Küchen sammeln sich gerne unzählige Tassen und Kaffeebecher. – Oftmals nur noch als Einzelstück. Dann bohrt man einfach durch den Boden ein Loch und befestigt eine Hängelampe daran – schon hat man eine dekorative Küchenlampe. Eventuell auch als Set mit kleineren Tassen.
Stofftiere
Stofftiere selbst gehäkelt und gefüllt mit Füllung eines alten Sitzsackes. Alte Schaals oder Mützen einfach auftrennen, Häkel- oder Strickanleitung aus dem Internet besorgt und mit Füllmaterial des alten, unansehnlich gewordenen Sitzsacks füllen. Eventuell braucht es, falls das Füllmaterial sehr klein ist, noch einen Innensack.
Uhr aus alten Bildern
Wer mache seiner Bilder nicht mehr sehen will, der kann diese zu einer Uhr aufwerten. Einfach ein analoges Uhrwerk im Elektroladen besorgen (am besten ein leises), das Bild durchbohren und das Uhrwerk durchstecken. Dann nur noch die Zeiger befestigen und falls gewünscht auch ein Ziffernblatt malen.
Duschvorhangstange aus alten Fahrradrädern
Eine originelle Aufhängung für den Duschvorhang kann aus einem alten (möglichst großen) Rad bebaut werden – Einfach das Rad an der Decke befestigen – eventuell mit einer Stange als Verlängerung und dann den Duschvorhang daran hängen.
Hängevorrichtung aus alten Blumenkästen-Haken
Sind die Haken für die Blumenkästen unansehnlich geworden oder werden sie dafür nicht mehr gebraucht, so eigenen sie sich noch wunderbar für die Ordnung in Gartenhaus oder Garage. Dort angebracht können Gartenutensilien oder Werkzeuge aufgehängt werden.
Upscaling ist sogar mehr als Müllvermeidung und Ressourcenschonung – es hat so manchem eine neue Verdienstquelle beschert. Im Internet gibt es Verkaufsplattformen, auf denen selbst gebaute Dinge angeboten werden. Sind die Artikel kreativ, nützlich oder dekorativ und ansprechend bebaut, so lässt sich durchaus Geld damit verdienen. Nicht schlecht für etwas, das eigentlich auf dem Müll gelandet wäre.
Sarah Lutz
S. Lutz
lutzsarah@web.de