Die Kunst der Züchtung: Neues Obst für den Garten

Markus Kobelt (Lubera) - Foto: GPP

Markus Kobelt ist ein Schweizer Obstbaumzüchter, der sich mit seinem Betrieb und Onlineshop auf Pflanzen für den Privatgarten spezialisiert hat und diese international vertreibt.

Herr Kobelt, in Ihrem Sortiment gibt es viele Pflanzen, deren Früchte man so nicht im Handel findet, etwa die rotfleischigen Äpfel Redloves oder die Beeren für den Balkon, die Lowberries. Was unterscheidet Ihre Züchtungen von anderen?

Kobelt: Seit Beginn des 20. Jahrhunderts richtet sich die professionelle Obstpflanzenzüchtung hauptsächlich an der großen, kommerziellen, landwirtschaftlichen Produktion, am Erwerbsobstbau. Dagegen ist prinzipiell nichts einzuwenden. Hier liegen schließlich die größten Gewinne und die Ernährung der Menschen ist eine wichtige Aufgabe. Aber die Züchtung hat für diese Konzentration auf nur ein Ziel auch einen hohen Preis gezahlt: Sie hat darauf verzichtet, eine Kunst zu sein. Wir von Lubera suchen nicht die eine Sorte für die nächsten 50 Jahre, sondern orientieren uns an den heutigen Bedürfnissen der Gartenbesitzer.

 

Was meinen Sie mit Kunst?

In der Züchtung gibt es ein ungeschriebenes Gesetz: Je höher der Aufwand, das heißt, je größer die Populationen an Sämlingen sind, desto kleiner ist der Output an Sorten – zumindest relativ. Dabei ist die Kunst verloren gegangen, eine besondere Sorte und ihre Individualität zu erkennen. An die Stelle der Kunst ist die Wissenschaft getreten, die Produktion und Publikation von Papieren, von wissenschaftlichen Artikeln. Natürlich polemisiere ich jetzt ein wenig, es gibt ja auch viele gute wissenschaftliche Züchter. Lubera verfolgt jedoch einen ganz anderen Ansatz: Wir wollen das Besondere, das Andere. Unser Ziel ist es, Sorten für den privaten Gärtner herauszubringen, die seine Arbeit und sein Gärtnerleben einfacher und vor allem abwechslungsreicher machen. Um einen echten Mehrwert für Hobbygärtner zu erreichen, muss eine neue Sorte resistenter gegen Krankheiten, einfacher zu kultivieren sein und besonders aromatische Früchte tragen. Wenn diese Sorte dann auch noch durch eine individuelle Eigenschaft überrascht, z.B. neben dem Nutzen auch einen Zierwert besitzt, umso besser. Um das zu erreichen, verwenden wir natürlich auch wissenschaftliche Methoden und Erkenntnisse der Forschung. So versuchen wir zum Beispiel in der Stachelbeerzüchtung ganz gezielt, die Widerstandskraft gegen Mehltau zu verbessern. Der Zufall wollte es, dass einige der Resistenzquellen auch eine ausgezeichnete Fruchtqualität vererben. Das hat unsere neuen Stachelbeeren zu tollen aromatischen Naschfrüchten gemacht.

 

Sie verlassen sich also schon mal auf den Zufall?

Ohne den Zufall geht in der Züchtung gar nichts. Wir sind der klassischen Züchtung verpflichtet, kreuzen Sorten mit Pinsel und Pollen und greifen nicht künstlich und mit fremden Genen ins Genom ein. Dafür gibt es gute ethische Gründe und auch ganz pragmatische: Unsere Kunden wollen keine gentechnisch veränderten Früchte. Aber viel entscheidender für uns ist die Tatsache, dass für unser Ziel – also mehr Abwechslung und Diversität zu erhalten – nur die konventionelle Züchtung geeignet ist. Nur durch die freie Rekombination der Gene entstehen unendlich viele neue Möglichkeiten. Gentechnik schafft lediglich Varianten des immer Gleichen, die bekannte Sorte X mit der zusätzlichen Eigenschaft Y.


05.02.2016 13:31
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