Ökostromtarife: Grüne Energie unter der Lupe

Photovoltaik Foto: (blickpixel) pixabay.com

Verbraucher, die ihre Ökobilanz optimieren möchten, greifen gerne zu Ökostromtarifen. Doch wie nachhaltig ist der „Grüne Strom“ tatsächlich?

Kurz vor Jahreswechsel, wenn die Stromversorger ihre Kundschaft über Preiserhöhungen informieren, entscheiden sich Verbraucher gerne für den günstigsten Anbieter. Schließlich wird Strom unter anderem aufgrund steigender Netznutzungsentgelte immer teurer und die Lockangebote der Konkurrenz sind teilweise markant. Hohe Neukunden- und Sofortboni machen den Anbieterwechsel lohnenswert. Nicht nur die attraktiven Konditionen sorgen dafür, dass sich eine zunehmende Anzahl an Stromkunden an den regelmäßigen Wechsel gewöhnt. Auch die gesetzlichen Änderungen, die Verbrauchern die Kündigung erleichtern, tragen zum Wechselboom bei, der zur Normalität avanciert. Komfortabel sind in diesem Zusammenhang außerdem Verbraucherportale wie strompreisvergleich.net, die es auch unerfahrenen Laien erlauben kostenlos und unverbindlich einen Strompreisvergleich zu vollziehen.

Im Jahr 2012 wechselten laut Bundesnetzagentur rund 2,6 Millionen Deutsche den Anbieter. Neben den Preisen steht jedoch die Umwelt immer häufiger im Vordergrund der Entscheidung.

 

Keine Definition für Ökostrom-Tarife

 

 

Braunkohle Kraftwerk Foto: (wobogre) pixabay.com

Ökostromtarife erfreuen sich steigender Beliebtheit. Für derartige Alternativen entschiedet sich über die Hälfte der wechselwilligen Kunden. Als Ökostromtarife werden Stromtarife bezeichnet, dessen Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt wird. Neben Biomasse und Photovoltaik gehören dazu Wind und Wasser.

Allerdings gibt es keine gesetzliche Regelung, die zur exakten Definition von Ökostromtarifen herangezogen werden kann. Der Begriff ist nicht definiert. Das ist jedoch nicht die einzige Tatsache, die umweltbewussten Kunden den Wechsel erschwert. Hinzu kommt, dass das Risiko besteht auf der Suche nach Grüner Energie bei einem Anbieter zu landen, der zwar Ökostromtarife im Sortiment hat, aber gleichzeitig konventionellen Strom aus unerwünschten Quellen wie Kohle oder Atomkraft verkauft.

Für Verbraucher, die nachhaltig handeln und den Energie-Markt mit ihren Entscheidungen in die richtige Richtung lenken wollen, ein Grundsatzproblem, das nach einer Lösung verlangt. Dass es sich dabei aber um eine schier unlösbare Aufgabe handelt, bestätigt sogar Öko-Test.

Auf der Öko-Test-Internetpräsenz wurde erst kürzlich erläutert, dass sich das Öko-Institut mit der Untersuchung von Ökostromtarifen beschäftigt und damit versucht wird die „Spreu vom Weizen“ zu trennen. In den Tests wird analysiert, welche Angebote sich tatsächlich positiv auf den Fortschritt für Umwelt und Verbraucher auswirken.

Als „sehr gut“ wurden Stromtarife bezeichnet, die in die Liste der EcoTopTen aufgenommen wurde. Öko-Strom stellte jetzt aber die berechtigte Frage: „Aber stecken dahinter nicht doch Unternehmen, die auch konventionellen Strom aus Quellen wie Atomenergie oder Kohle verkaufen?“ Außerdem weist das Magazin darauf hin, dass einige Anbieter Auszeichnungen für ökologisch hochwertige Produkte zu unrecht einsetzen: „So wirbt die Firma Wemag, die Wemio-Ökostrom bundesweit vertreibt, auf ihrer Website mit dem ÖKO-TEST-Siegel von Heft Mai 2011 und der Note "sehr gut". Die Nordlichter verschweigen, dass es im September 2013 einen neueren Test gab. Warum? Vergessen zu aktualisieren? Oder vielleicht, weil die Note zwei Jahre später unter verschärften Bedingungen nur noch "befriedigend" war?“

 

EEG begünstigt Graustrom

 

Die Problematik geht noch weiter. Eine Bestimmung des EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) gibt vor, dass Strom von sämtlichen, von einer EEG-Umlage in fixer Höhe profitierenden Erzeuger an der Börse verkauft werden muss. Aus dem daraus resultierenden Strompool werden alle Verbraucher bedient. Aus Grünem Strom wird Graustrom. Entsprechende Stromanbieter kaufen sich Zertifikate bei denen eine Trennung vom physikalischen Strom stattfindet. Die Anbieter sind dann in der Lage neben Ökostrom-Tarifen andere Tarife anzubieten, die mit Atomkraft oder Kohle erzeugt werden.

 

Strenge Regeln bei Greenpeace?

 

 

Windenergie Foto: (Hans) pixabay.com

Laut Angaben von Öko-Test ist das Stromprodukt des Anbieters Greenpeace Energy eine Ausnahme. Der Öko-Strom wird aus 91,5 Prozent Wasser- und 8,5 Prozent Windkraft erzeugt und an private Kundschaft verkauft. Der Anbieter setzt strenge Greenpeace-Kriterien voraus, wonach regelmäßig in neue Öko-Stromanlagen investiert und auf handelbare Zertifikate vollständig verzichtet werden muss. Kohle und Atomstrom können dadurch nicht reingewaschen und als „Grün“ verkauft werden.

Doch einen Haken gibt es auch hier: Sönke Tangermann, Greenpeace Vorstand, gibt zwar an, dass das interne Angebot von Gutachtergesellschaft Omnicert sowie dem TÜV Nord geprüft wird und die geforderten Vorgaben zu CO2-Emissionen und Strommix eingehalten werden, aber in den aktuellen EcoTopTen Liste taucht auch der Greenpeace Energy Tarif nicht mehr auf.

Dazu Tangermann: „Im Rahmen der sich wandelnden Energielandschaft gibt es eine Debatte, was guten Öko-Strom künftig ausmacht. Daran beteiligen wir uns intensiv. Wenn es gelingt, die EcoTopTen-Kriterien neu zusammenzustellen, können wir uns vorstellen, dort wieder gelistet zu werden.“ Nachvollziehbar ist diese Aussage nur bedingt.

 

Gütesiegel als Orientierung – Keine Garantie für sauberen Strom

 

Gütesiegel können im Tarifdschungel als Orientierung dienen. Das „Ok-Power“ Siegel ist ein gutes Beispiel für aussagekräftige Standards. Der Verein Energievision vergibt es und legt dabei strengste Voraussetzungen zugrunde. Umweltorganisationen gründeten den Verein Grüner Strom Label und sorgen mit dem dazugehörigen Gold-Siegel für Erleichterung auf dem Ökostrom-Markt. Doch auch einige Anbieter mit diesen beiden Siegeln, die in der EcoTopTen Liste von Öko-Test zusammengetragen wurden, erzeugen nebenher Strom aus klimaschädlichen Quellen. Da viele Verbraucher nicht nur scheinbaren Ökostrom kaufen sondern sicher sein möchten, dass das dahinterstehende Unternehmen nachhaltig handelt, hat das Verbrauchermagazin nochmals genauer hingesehen und einen aktuellen Testbericht erstellt.

Das Ergebnis: 16 auf den ersten Blick „grünen“ Anbieter verkaufen neben Ökostrom den sogenannten Grauen Strom. Immerhin zwölf Anbieter wurden ermittelt, die ausschließlich mit Ökostrom-Tarifen am Markt sind und keinen Kontakt zu konventionellem Strom haben.

Eine gesetzliche Regelung für eine Definition von Ökostrom fordert der Verein Energievision. Auch Jürgen Stellpflug, Chefredakteur bei Ökotest ist dieser Ansicht. Er gibt zwar zu, dass der Staat nicht immer der Ansprechpartner sein muss, ,angesichts der Tatsache, dass die Marktteilnehmer eine deutliche Kennzeichnung von „wirklich ökologischen“ Tarifen nicht zustande bringen, wäre der Gesetzgeber aber gefordert.

Der Zusammenhang zwischen der Nachfrage nach Ökostrom-Tarifen und der Marktentwicklung wird im folgenden Beitrag des WWF Deutschland verständlich gemacht.

 

Kerstin Brammbauer

 

Kerstin Brammbauer