Aerosole: Pflanzliche Schützenhilfe gegen Klimawandel

Foto: Wikimedia commons/Rototom

Keine Rettung vor dem Klimawandel, aber dennoch faszinierend: Pflanzen, denen die Erderwärmung zu bunt wird, wehren sich- mit ihrem ganz persönlichen, chemischen „Kühlschrank“. Das Geheimnis dahinter besteht aus Aerosolen.

 

Aerosole sind, vereinfacht gesagt, Gemische aus Gas und Kleinstpartikeln. Sie stammen aus einer Vielzahl von Quellen, zum Beispiel Vulkanasche, Wüstenstaub oder Meersalz; auch der Mensch gibt wie üblich seinen Senf dazu. Aerosole haben eine entscheidende Eigenschaft: Sie reflektieren Sonnenlicht und tragen gleichzeitig zur Wolken- und Tröpfchenbildung bei. Folge: Die Atmosphäre kühlt sich ab.

 

Dieser Mechanismus ist Wissenschaftlern schon lange bekannt- doch wusste bislang niemand so richtig, welche Rolle die die natürlichen, pflanzlichen Aerosole im Reigen all der anderen Gemische spielen. Klar war bisher: Pflanzen geben Gase an die Atmosphäre ab, die in der Atmosphäre zu Aerosolen oxidieren. Klar scheint jetzt: Sie tun dies „in Absprache“ mit der Umgebungstemperatur; je wärmer, desto mehr Aerosole und desto mehr Kühlung.

 

Bis zu 30 Prozent Kompensation

 

Dieses Phänomen wurde jetzt erstmals im Großmaßstab in elf verschiedenen Regionen der Erde nachgewiesen. Ältere Studien hatten den Prozess zwar vorhergesagt und zum Teil auch nachgewiesen, jedoch nur in räumlich und zeitlich begrenztem Ausmaß.

 

Leider können die Pflanzen dem Klimawandel mit ihrem eingebauten Kühlschrank jedoch nur sehr wenig entgegen setzen. Global gesehen könnten sie gerade einmal ein Prozent der Erderwärmung kompensieren, fanden die Wissenschaftler heraus. Doch sie stellten auch fest: Gerade in ländlichen, stark bewaldeten Gebieten, wo die Produktion pflanzlicher Aerosole die der anorganischen bei weitem übersteigt, kann der Prozentsatz auf bis zu 30 Prozent hochschnellen. Vor allem Mensch und Natur in Finnland, Sibirien und Kanada dürften demnach auf echte Schützenhilfe im Kampf gegen den Klimawandel hoffen.

 

Und das ist noch nicht alles. Studienleiter Pauli Paasonen von der Universität Helsinki erhofft sich von den Ergebnissen weitere Verbesserungen in der Klimaforschung, denn: „Aerosole sind einer der größten Unsicherheitsfaktoren in Klimamodellen. Wenn wir ihre Auswirkungen besser verstehen, werden auch die Modelle besser.“

 

Die Studie in Kooperation mit dem österreichischen International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA) wurde jüngst im Fachblatt Nature Geoscience veröffentlicht. NISO

 

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