Arktis: Ozonabbau durch „Schneebrom“

Brom aus Eis und Schnee zerstört Ozon: Ozon (O3) spielt in der Atmosphäre nicht nur ganz oben, sondern auch in Bodennähe eine wichtige Rolle. Dort dient es weniger dem Schutz vor UV-Strahlung als vielmehr der Reinigung von Schadstoffen.

 

O3 wird in der Atmosphäre jedoch immer mehr zur Mangelware- im arktischen Frühling verschwindet es fast völlig. Der Grund hierfür ist seine Reaktion mit elementarem Brom unter Lichteinfluss.

Foto: Wikimedia commons/BillC

Brom und Ozon verbinden sich zu Bromoxid- dieses kann im Frühjahr am Nordpol mehrere tausend Quadratkilometer große Wolken bilden. Das reagierende Brom stammt in der Hauptsache aus dem Meereis des Polargebietes- das jedenfalls war bislang die Theorie. Eine Studie des Instituts für Umweltphysik an der Universität Heidelberg belehrte die Forschung jedoch eines Besseren: Nicht das Eis, sondern der Schnee auf dem Festland ist die Hauptquelle der Bromemissionen.

 

Giftige Quecksilberniederschläge bei wenig Ozon

 

Denn neben dem Tageslicht scheinen die komplexen Freisetzungsvorgänge des Halogens vor allem vom pH-Wert abzuhängen. „Je ,saurer‘ die jeweilige Probe ausfiel, desto größer war die Freisetzung von Brom. Daraus ergab sich das überraschende Ergebnis, dass Schnee auf dem Festland, der typischerweise ‚sauer‘ ist, mehr Brom freisetzt als alkalisches Meereis“, erklärt Dr. Denis Pröhler vom Institut für Umweltphysik. Das Erstaunliche dieser Erkenntnis: Das Eis enthält eigentlich viel mehr Brom als der Schnee.

 

Für ihre im Fachblatt Nature Geoscience veröffentlichte Studie setzte das Team um Prof. Dr. Ulrich Platt ein neuartiges Messgerät der Uni Heidelberg ein: Dieses macht sich die Tatsache zunutze, dass Bromoxid Licht absorbiert. Aus dem Flugzeug lokalisierten die Forscher die Aufnahme des von Schnee und Atmosphäre gestreuten Lichts durch Bromoxid. „Derartig umfangreiche Daten erlauben es, die Quellen der Bromfreisetzung in der Arktis genau zu erkunden.“, erläutert Pröhler.

 

Von ihren Ergebnissen erhoffen sich die Wissenschaftler ein besseres Verständnis davon, wie sich die arktische Atmosphäre zusammensetzt- und wie sich diese Zusammensetzung auf das Ökosystem auswirkt. Brom reagiert auch mit Spurengasen wie Qucksilber- das Ergebnis sind giftige Niederschläge des Flüssigmetalls. Komplexe Wechselwirkungen, die die Forschung gerade erst zu verstehen beginnt. Im Rahmen des internationalen Forschungsprojektes BROMEX (Bromide, Ozone and Mercury Experiment) wird sie ihnen weiter auf den Grund gehen. NISO

 

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