Atom-Expert Pflugbeil: Fukushima kaum zu retten

Keine Ende der Hiobsbotschaften aus Fukushima: Nach aktuellen Medienberichten ist jetzt die Cäsium-Belastung im Hafen der Atomruine „stark gestiegen“. Das meldete die Deutsche Press-Agentur. Die Werte stiegen auf den höchsten Stand seit der Katastrophe im März 2011. Laut Reuters liegen sie "weit über den Grenzwerten".

Am Donnerstag registrierte demnach die Betreiberfirma Tepco in der Bucht vor dem zerstörten AKW 13 Mal mehr strahlendes Cäsium als noch einen Tag zuvor.

Tepco vermutet Bauarbeiten als Ursache“, heißt es in einer Meldung der Nachrichtenagentur.

Derweil zitieren die Deutschen Wirtschafts Nachrichten den Physiker Sebastian Pfugbeil. Er sei, was die Bewältigung der Krise im japanischen AKW angehe „äußerst pessimistisch, dass eine elementare Katastrophe in Fukushima abgewendet werden kann“.

 

Auswirkungen auf die ganze Nordhalbkugel der Erde

 

Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Strahlenschutz sagte dem Portal zufolge: „Die Menschheit könnte beim Scheitern der Versuche, die gebrauchten Brennelemente des Kernkraftwerks Fukushima zu bergen, in einer bisher nicht gekannten Weise durch Strahlen geschädigt werden.“

Die Auswirkungen eines Scheiterns der nötigen Arbeiten nach der Atomkraftwerks-Havarie von 11. März 2011, so Pflugbeil, hätten Folgen für die gesamte Nordhalbkugel der Erde.

In einem Telefonat mit global° plädierte auch der Chief Science Officer am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und Sprecher des Programms Nukleare Sicherheitsforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren, Joachim Knebel, für ein Hinzuziehen ausländischer Experten in Nippon. „Wir stehen parat“, sagte er, aber auch wenn Premier Shinzo Abe jüngst auf einer Konferenz das Ausland um Rat und Beistand gebeten hat – offiziell kenne er noch keine Anfrage, so Knebel.

 

Maroder Zustand im havarierten AKW von Fukushima

 

Deutsche Atom- und Sicherheitsexperten hätten das Know-how, um die japanischen Kollegen bei der Dekontamination auf dem Gelände des zerstörten Kraftwerks zu unterstützen. Knebel hofft, dass dies rasch auf Regierungsebene eingefädelt werde.

„Zunehmend kritisch“ schätzt Sebastian Pflugbeil die Lage in der Atomruine ein. „Die Reaktorblöcke sacken ab. Tausende Tonnen verseuchtes Wasser werden in das Meer abgelassen. Der Untergrund, auf dem der Reaktor ruht, ist nicht mehr belastbar – er schwimmt. Es hat sich alles bereits so verschoben, dass über ein Meter Höhenunterschied von einer Ecke zur anderen besteht. Die dadurch hervorgerufenen Spannungen haben bereits zu beängstigenden Rissen in der Gebäudekonstruktion geführt“, zitieren ihn die DWN.

Dass die Rettung in Fukushima gelinge, glaubt Pflugbeil, tendiert „gegen Null“.

Derweil plane Tepco laut einem Bericht von Spiegel-Online eine Eissperre im Boden unter dem Kraftwerk. Sie soll das weitere Eindringen von Grundwasser verhindern. Der Plan soll nach bisherigen Schätzungen mehrere Hundert Millionen Euro verschlingen. Ob er gelingt ist ungewiss.


pit

 

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