Ausverkauf im Savannen-Supermarkt

Frauen verkaufen reine Sheabutter als Speisefett auf dem Markt, Foto: BiK-F/ Katja Heubach

Die Savanne als Selbstbedienungsladen – einfacher und kostengünstiger könnten die Menschen in Benin in Westafrika gar nicht einkaufen. Direkt vor der Haustür sammeln und ernten sie den Großteil ihrer Lebensmittel, Baumaterialien und Arzneistoffe. Forscher des BiK-F (Biodiversität und Klima Forschungszentrum) in Frankfurt a. M. untersuchten, für was und in welchem Ausmaß einzelne Volksgruppen die Savannengehölze nutzen. In den Fachmagazinen Human Ecology und Economic Botany warnen die Wissenschaftler nun vor den Folgen von Klimawandel und Übernutzung für das Ökosystems.

 

Die neun Millionen Menschen im westafrikanischen Benin – Angehörige sechzig verschiedener Ethnien – leben vorwiegend von der Landwirtschaft. Wildpflanzen ergänzen den Speiseplan, dienen medizinischen Zwecken oder werden verbaut. Die Aufgaben innerhalb der Familien sind in Benin klassisch verteilt. Die Männer haben das Sagen, sind Hausbauer und Handwerker und beschäftigen sich mit spirituellen Fragestellungen. Frauen hingegen kümmern sich ums Kochen und um die Gesundheitsvorsorge.

 

Sheabutter- und Affenbrotbaum werden häufig genutzt

 

In einem vierjährigen interdisziplinären Projekt untersuchte ein Team des Bik-F die Nutzung und Bedeutung von Früchten, Blättern, Wurzeln, Borke, Fasern, kleinen Zweigen und Pflanzensäften für die Menschen und die Wirtschaft des kleinen Entwicklungslandes. Die Wissenschaftler werteten die bei Befragungen von 230 Haushalten in zwei Dörfern und unter fünf verschiedenen Volksgruppen (Fulbe, Ditammarie, Kabiyé, Yom, Bariba) gesammelten Informationen aus und identifizierten neunzig wichtige Gehölzarten.

 

Mit Hilfe der Informationen teilten die Frankfurter Forscher die neunzig Gehölze in elf Nutzungskategorien ein. Hiervon würden 61 Prozent für medizinische Zwecke, 41 Prozent als Feuerholz, 39 Prozent für bauliche Zwecke und 32 Prozent in der Ernährung genutzt, erklärt Dr. Katja Heubach, Leiterin des Projekts am BiK-F. „Unsere Analysen zeigen, dass die verschiedenen Ethnien die untersuchten Arten sehr unterschiedlich nutzen”, so die Biologin. Je nach Ethnien unterscheide sich die Verwendung vor allem im Bereich der traditionellen Heilkunst. Allerdings gebe es auch einige Arten, die gleich häufig und für ähnliche Zwecke genutzt werden, wie Sheabutterbaum (Vitellaria paradoxa), Néré (Parkia biglobosa) und der bekannte Affenbrotbaum (Adansonia digitata), erläutert Heubach.

Affenbrotbaum, Foto: BiK-F/ Katja Heubach

 

Klimawandel und Landnutzung bedrohen ökonomisch wichtige Arten

 

Aus diesen drei Baumarten werden Produkte gewonnen, die für die Ökonomie des kleinen Landes sehr wichtig sind. Zunehmendes Interesse der internationalen Märkte, intensivere Landnutzung und der Klimawandel gefährden diese Arten jedoch. Zusammen mit ihrem Kollegen Dr. Jonathan Heubes entwickelte Katja Heubach ein Modell, das die Folgen von Übernutzung und Klimawandel für die Verbreitung der drei Arten im Jahr 2050 aufzeigt und somit die wirtschaftlichen Konsequenzen prognostiziert.

 

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass das Vorkommen dieser wichtigen Arten stark zurückgehen wird. Dadurch werden große Teile des Untersuchungsgebietes bis zu 50 Prozent des bislang erzielten Ertrages aus diesen drei Gehölzarten verlieren”, stellt Heubach fest. Sie befürchtet, dass solche Einkommensverluste einen deutlichen Einfluss auf das Wohlergehen der lokalen Bevölkerung und auf die beninische Volkswirtschaft haben werden. “Diese Aussichten sind hoffentlich ein Anreiz, schnellstmöglich adäquate Managementstrategien für diese Arten zu entwickeln”, hofft die Wissenschaftlerin. Die Forschungsergebnisse ermöglichten nun speziell angepasste Schutzmaßnahmen im Savannen-Ökosystem je nach Bevölkerungsgruppe, Art der Nutzung und dem berechneten Vorkommen der Pflanzen. JET

 

 

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