
Der Atomausstieg wirft seinen - dunklen - Schatten voraus: „In keinem der noch laufenden deutschen Atomkraftwerke wird es in den nächsten fünf Jahren noch eine periodische Sicherheitsüberprüfung geben“, zieht die Autorin einer vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) jetzt vorgestellten Studie ein Fazit: „Das halte ich für unverantwortlich.“
Kurz vor dem 32. Jahrestag des Atomunglücks von Tschernobyl, wo am 26. April 1986 in Block 4 des AKW nach einem Fehler der Bedienungsmannschaft Brennstäbe schmolzen und die Region bis heute verstrahlten und unbewohnbar machen, präsentieren die Umweltschützer in Berlin ihre neue Studie „Atomkraft 2018 – sicher, sauber, alles im Griff ?“ Die Atomsicherheitsexpertin, Oda Becker, untersuchte darin die Risiken der sieben noch in Deutschland laufenden Atomkraftwerke (AKW).
AKW-Unfall in Deutschland noch längst nicht gebannt
Ihr Ergebnis: Auch in Deutschland ist jederzeit ein größerer Störfall oder ein Super-Gau möglich, ausreichende Katastrophenschutzpläne liegen nicht vor. Das kommentierte BUND-Chef Hubert Weiger eindeutig: „Die Risiken der Atomkraft sind zu groß und der Bevölkerung nicht länger zumutbar.“
Nach Bewertung der Naturschützer zeige die Studie große "Probleme wie mangelnde Schutzstandards für Hochwasser, Erdbeben und Terrorgefahren". Hinzu komme "eine Häufung von Schäden in Reaktorkernen", schreibt der Verabnd in seiner Pressemeldung zur Studie. Beispiele hierfür seien "Verformungen von Brennelementen und unzulässige Oxidationen an den Brennstäben des Reaktorkerns im AKW Brokdorf".Die Studie kritisiert einen weitgehenden Verzicht auf sicherheitstechnisch gebotene Nachrüstungen. Es sei zu vermuten, so Becker, dass die AKW-Betreiber ihre Anlagen aus wirtschaftlichen Gründen endgültig abschalten würden, sollten die Aufsichtsbehörden die zu einem ausreichenden Schutz der Bevölkerung erforderlichen technischen Nachrüstungen einfordern. Dies betreffe insbesondere Nachrüstungen zum Schutz vor Terrorangriffen und Flugzeugabstürzen.
Früherer Atomausstieg erspart 300 Tonnen radioaktiven Müll
Mit Blick auf die ausstehende Novellierung des Atomgesetzes, die laut Urteil des Bundesverfassungsgerichts bis zum 30. Juni 2018 durch die Bundesregierung erfolgen muss, fordert der BUND, die eklatanten Sicherheitsmängel endlich ernst zu nehmen. „Die Überarbeitung des Atomgesetzes muss für einen sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie genutzt werden“, so Weiger. Mindestens müssten aber weitere Strommengenübertragungen gesetzlich verboten werden. Damit würden die AKW insgesamt 10 Jahre weniger laufen und die Produktion von 300 Tonnen hochradioaktivem Atommüll vermieden werden.
Zudem sei der Weiterbetrieb der Atomkraftwerke ein "erhebliches Hindernis für den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien", betont der BUND.
pit
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