"Der Schlüssel zum Erfolg ist der offene Dialog"

Foto: Roland Horn/BDEW

Langjähriges Mitglied bei den Grünen und ehemaliger Pressesprecher bei der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg: So stellt man sich nicht unbedingt den Cheflobbyisten der deutschen Energiewirtschaft vor. Der neue Präsident des Bundesverbands für Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) ist aber genau das. Johannes Kempmann über seine Ziele als Präsident und die Herausforderungen der Energiewende:

 

Sehen Sie in Ihrer jetzigen Posten als Präsident des BDEW einen

Widerspruch zu Ihrem früheren Engagement in der Anti-Atomkraft-Bewegung und bei den Grünen?

 

Kempmann: Nein, jeder entwickelt sich zum Glück weiter. Heute sehe ich die Dinge zum Teil anders als noch vor 20 Jahren. Außerdem hat sich die Energiepolitik insgesamt weiterentwickelt. In meinem Leben haben sich zudem Dinge ergeben, die ich so nicht geplant hatte. Das empfinde ich im Rückblick als große Bereicherung. Ich nehme Herausforderungen an und gestalte gerne. Mir ist es wichtig, über den Tellerrand zu schauen. Ich unterhalte mich daher mit allen Interessensvertretern. In den nächsten Jahren stehen durch den vorgezogenen Ausstieg aus der Kernenergie so viele Aufgaben an. Ich glaube, der Schlüssel zum Erfolg ist für die Energiewende der offene Dialog.

 

Wie wollen Sie in Ihrer neuen Position die Energiewende voranbringen?

 

Kempmann: Es gibt keine konkrete Agenda. Das ist aufgrund der politischen Entwicklungen auch schwer vorherzubestimmen. Aber ich will integrativ vor allem verbandsintern die wichtigen Branchenthemen weiter vorantreiben. Dazu gehören die weitere Integration der Erneuerbaren Energien in den Markt, die politisch notwendige Weichenstellung für das Marktdesign konventioneller Kraftwerke, die verstärkte Förderung des Wärmemarktes und der Energieeffizienz, die Verbesserung der Investitionsbedingungen für den regionalen Netzausbau und ein europaweit gültiges CO2-Minderungsziel von mindestens 40 Prozent bis 2030.

Beim Thema Wasser muss vor allem dafür gesorgt werden, dass die landwirtschaftlichen Flächen nicht ohne Rücksicht auf das Grundwasser und das Ökosystem bewirtschaftet werden. Daher müssen die EU-Vorgaben, zum Beispiel bei der Stickstoffdüngung oder der Nitratrichtlinie, konsequent umgesetzt werden.

 

Welche Schwierigkeiten und Konflikte sehen Sie dabei auf sich zukommen?

 

Kempmann: In den nächsten zwei Jahren muss entschieden sein, wie die Probleme der Energiewende erfolgreich gelöst werden. Das betrifft vor allem das Thema Versorgungssicherheit. Wegen der wachsenden Einspeisung von Erneuerbaren werden mehr und mehr konventionelle Kraftwerke unrentabel. Versorgungssicherheit ist eine Dienstleistung, die bezahlt werden muss. Wer glaubt, das ginge ohne, der ist im Irrtum. Wir brauchen eine Regelung, um Kraftwerke am Netz zu halten, vor allem aber dafür zu sorgen, dass künftig auch aus Klimaschutzgründen noch neue gebaut werden. Zudem ist die Suche nach neuen Geschäftsmodellen das bestimmende Thema für die gesamte Energie- und Wasserwirtschaft. Vor uns liegen Fragen wie: Wohin geht die Reise in Sachen Kapazitätsmärkte? Welche Chancen bietet ein neues Marktdesign den Vertrieben? Auf welchen neuen Geschäftsfeldern können Stadtwerke ihre besondere Leistungsfähigkeit beweisen? Vor welchen neuen Herausforderungen steht die Wasserwirtschaft? Und wie kann die Energieinfrastruktur sicher finanziert werden?

Insgesamt gilt für eine erfolgreiche Energiewende: Wir alle, egal ob Politik, Wirtschaft oder Gesellschaft müssen an den Themen dran bleiben. Wenn wir die richtigen Entscheidungen treffen und in der Lage sind, diese auf dem langen Weg immer wieder zu prüfen und gegebenenfalls zu korrigieren, dann wird Deutschland diese Energiewende meistern.

FME

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