
„Die Klimaerwärmung bedroht zwar unsere Zukunft, aber die ist weit weg. Würde die Klimaerwärmung uns hie und da ein Auge ausschlagen, hätten wir sie schon längst im Griff.“ Diese Aussage stammt von Daniel Gilbert, Professor für Psychologie an der Harvard University, und ist Teil seiner „4 Gründe für unser nicht begreifen des Klimawandels“.
Die Klimaveränderung hin zu höheren Temperaturen ist zumindest für die kommenden 100 Jahre unumkehrbar, so der Deutsche Wetterdienst (DWD). Daher unterstützt er ab sofort die rund 2 000 kleinen und mittelgroßen Städte in Deutschland mit Stadtklimasimulationen zur effizienten Anpassung an den Klimawandel. „Städte als Lebensraum sind besonders verwundbar gegenüber den Folgen des Klimawandels, da sie zum Beispiel in Deutschland Lebens- und Arbeitsmittelpunkt für mehr als 70 Prozent der Bevölkerung sind. Es geht deshalb darum, Schäden für die Bevölkerung und Infrastruktur durch den Klimawandel zu reduzieren oder zugespitzt formuliert: Leben zu retten.“ Das erklärt Dr. Paul Becker, Vizepräsident des Deutschen Wetterdienstes, bei der jährlichen Klima-Pressekonferenz des DWD in Berlin. Das neue kostenlose Online-Angebot kann nicht nur von Stadtplanern und Kommunalpolitikern, sondern auch von interessierten Bürgerinnen und Bürgern unter www.dwd.de/inkas genutzt werden.

Der Trend zu einem wärmeren Klima ist ungebrochen
Weltweit war 2014 mit einer globalen Mitteltemperatur von 14,57 Grad Celsius (°C) das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. 14 der 15 global wärmsten Jahre fallen ins 21. Jahrhundert. Zugleich waren die drei vergangenen Jahrzehnte jeweils wärmer als alle vorangegangenen Dekaden seit 1850. Die Auswertungen des DWD zeigen, dass die Jahresmitteltemperatur 2014 auch in Deutschland mit 10,3 °C einen Rekordwert erreichte. Sie lag damit 2,1 Grad über dem vieljährigen Mittelwert von 8,2 °C der internationalen Referenzperiode 1961-1990.
Erstmals hat der DWD die Klimastatistik auch aus der Perspektive der Witterungsperioden ausgewertet. Betrachtet wurden die Zeiträume, in denen unabhängig vom Anfangs- und Endzeitpunkt mindestens 12 aufeinanderfolgende Monate mit maximal einem Monat Unterbrechung zu warm oder zu kalt waren. Das Ergebnis für den Beobachtungszeitraum von 1881 bis heute sei eindeutig: Während in der ersten Hälfte der Zeitreihe lediglich Mitte der 1930er Jahre ein anhaltend zu warmer Witterungsabschnitt registriert wurde, traten solche Episoden seitdem insgesamt elf Mal auf - davon sieben Ereignisse allein seit dem Jahr 2000. Zu kalte war es übrigens nur zwei Mal und das nur bis etwa 1910.
Fazit des DWD-Klimaexperten Dr. Thomas Deutschländer: „Der Blick in die Vergangenheit ist zugleich eine starke Bekräftigung unserer Erwartung, dass künftig mit der weiteren Erderwärmung warme Witterungsabschnitte noch häufiger auftreten werden.“ Der Erhalt und Ausbau von Grün- und Wasserflächen, die Begrünung von Fassaden und Dächern und die Verwendung klimagerechter Baumaterialien sind wichtige Eckpunkte für die Klimaanpassung in der Stadtentwicklung. Was in großen Städten schon Einzug in die Planungen gehalten hat, fehlt vor allem in den Mittel- und Kleinstädten. Hier soll mit der Stadtklimasimulation INKAS Hilfe zur Selbsthilfe geleistet werden.
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