Energiewende: Berlin soll Klima-Vorbild sein

Berliner Reichstag Foto: Wikimdeia CC/Norbert Aepli

Berlin könnte 2050 „klimaneutral“ sein: Das belegt eine jetzt vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) vorgelegte Machbarkeitsdstudie. Trotz eines weiteren Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum könne, so die Experten, die Bundeshauptstadt demnach ihre CO2-Emissionen von aktuell 21 Millionen Tonnen im Jahr auf 4,4 Millionen Tonnen zurückfahren. „Dieser Zielwert entspricht einer Reduktion von rund 85 Prozent gegenüber dem Basisjahr 1990 und erfüllt das globale Ziel, Berlin zu einer klimaneutralen Stadt zu machen“, betonen die Wissenschaftler.

Im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt rechneten Wissenschaftler in acht Instituten aus verschiedenen Disziplinen unter Federführung des PIK Szenarien. Jetzt leiteten sie daraus Handlungsalternativen ab. Die Wissenschaftler sollten vor allem klären, ob der Wunsch der Politiker, die 2011 beschlossen, Berlin „klimaneutral“ zu machen, tatsächlich umsetzbar sei.

 

Berlin liegt auf Platz 11 der Metropolen beim Treihausgas-Ausstoß

 

In einem vorab mit einer Presseagentur geführten Gespräch, betonte PIK-Chef Hans Joachim Schellnhuber, dass die Erderwärmung nur dann unter der gefährlichen Schwelle von zwei Grad Celsius gehalten werden könne, „wenn große Städte schnell handelten“. Berlin liegt nach Angaben der Deutschen Presseagentur (dpa) „unter den Metropolen mit dem größten Treibhausgas-Ausstoß weltweit auf Platz elf“.

Berlins Umweltsenator Michael Müller betont: „Die energie- und klimaschutzpolitische Debatte in unserer Stadt hat sich in den letzten Monaten deutlich intensiviert – ich nenne nur die öffentliche Diskussion um die Gründung eines Stadtwerks und die Rekommunalisierung der Energienetze. Beides sind wichtige Grundsteine auch für ein klimaneutrales Berlin.“

Als Ergebnis nennt die jetzt vorgelegten Studie als wichtigstes Handlungsfeld den Gebäudesektor. Denn 47 Prozent des CO2 -Ausstoßes in Berlin stammen aus diesem Bereich. Sie empfehlen daher: „Wärme müsste künftig stärker aus Erdgas und Biomasse statt aus Kohle und Öl erzeugt werden.“ Dabei komme der Erhöhung des regenerativen Anteils im Erdgas eine wichtige Rolle zu. „Im Stromsektor wird die Photovoltaik zur Schlüsseltechnologie“, betont die Studie, zusammen mit mehr Energie-Effizienz könne Berlin unter dem Strich sogar mehr Strom erzeugen als selbst verbrauchen.

Dann brauche Berlin keinen Braunkohlestrom aus Brandenburg mehr – wohl aber märkischen Windkraftstrom im Winter.

 

Berlin braucht mehr ÖPNV-Fahrzeuge mit Elektromotor

 

Zweitwichtigster Bereich ist laut PIK-Studie der Verkehrssektor. „Hier kommt es darauf an, die verschiedenen Verkehrsmittel und –systeme noch besser miteinander zu vernetzen“, urteilen die Wissenschaftler. Berlin müsse eine Steigerung des Anteils elektrisch betriebener Fahrzeuge anstreben, um die Klima-Ziele zu erreichen.

„Dieser Umbau des Energiesystems würde Investitionen bedeuten, die unter dem Strich die Berliner Wirtschaft erheblich stärken könnten“, sagt Bernd Hirschl vom Institut für Ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) über die wirtschaftlichen Folgen, wenn Berlin das Konzept umsetzt. Die Studie beziffert auch die lokalen Wertschöpfungs- und Beschäftigungseffekte eines klimaneutralen Umbaus der Berliner Energiewirtschaft. „Je nach gewähltem Szenario könnten bis 2050 neue regionalökonomische Effekte in einem Umfang zwischen 67 und 138 Millionen Euro pro Jahr entstehen“, betonen die Wissenschaftler.


pit

 

 

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