Erhöhte Strahlung am AKW Neckarwestheim

AKW Neckarwestheim Foto: Wikimedia CC 2.0/Thomas

Erhöhte Strahlenwerte am deutschen AKW in Neckarwestheim: Laut einem Zeitungsbericht hält eine Pannen-Serie im baden-württembergischen Kernkraftwerk die Menschen im Südwesten in Atem. Bei Wartungsarbeiten „stieg die über den Kamin in die Luft geblasene Radioaktivität auf das 23-fache des Normalwerts“, schreibt jetzt die Berliner taz.

Das Atomkraftwerk Neckarwestheim 2 gilt unter Umweltschützern schon länger als Problem-Meiler. Laut einem Bericht des Magazins Spiegel, verzeichnen die beiden Reaktoren in Neckarwestheim seit 1980 über 500 Störfälle. Im September wurde das Atomkraftwerk daher zur Wartung vom Netz genommen. Dabei bemerkten Techniker der Betreiberfirma EnBW, „dass eine Armatur im Notkühlsystem entgegen den Vorschriften in ,Zu'-Stellung blockierte“, berichtet die taz: „Wäre das AKW in Betrieb gewesen, hätte die Fehlstellung etwa bei einem Flugzeugabsturz zum Ausfall einer Nachkühlkette geführt, erklärte das Umweltministerium in Stuttgart. Dann öffnete ein Vorsteuerventil fehlerhaft – es betätigt im Notfall ein weiteres Ventil, das den Druck im Sekundärkreislauf hoch halten soll.“

EnBW hatte lapidar vermeldet, das Kraftwerk sei „für Prüfarbeiten vorübergehend abgefahren“ worden. Atomkraftgegner allerdings sprachen von „gefährlicher Schlamperei und Versagen der Atomaufsicht“. Ihre Meinung: „Offensichtlich haben weder Atomaufsicht noch der Betreiber den Meiler im Griff.“

 

23 Mal mehr Radioaktivitäten AKW-Umgebung gemessen

 

Nicht genug der Fehler: Am 25. Oktober seien beim routinemäßigen Austausch von Brennelementen dann zu einem „massiven Anstieg der Radioaktivitätswerte“ in die Umgebung des Kernkraftwerks gekommen. „Neckarwestheim 2 emittiert im Normalbetrieb jede Stunde Edelgase mit einer Aktivität von rund 310 Millionen Becquerel. Bei jährlichen Revisionen, wenn ein Drittel der Brennelemente ausgetauscht und der Reaktordruckbehälter geöffnet wird, steigt der Wert auf das Doppelte“, beschreibt die taz die Lage.

Noch einen Tag später sei der Wert auf die Vierfache, einen weiteren Tag später auf das 23-Fache geklettert: „auf bis zu 7,244 Milliarden Becquerel pro Stunde“.

Die Tageszeitung zitiert Franz Wagner vom Aktionsbündnis Energiewende Heilbronn. Er bestätigte dem Blatt, dass dieser Wert allerdings „noch von den laschen Tages- und Jahresgrenzwerten gedeckt“ sei. Der Kernkraftgegner gehe davon aus, dass die im Normalbetrieb freigesetzten radioaktiven Gase und Partikel für die erhöhte Kinderkrebsrate in der Umgebung der AKW verantwortlich seien. Es sei „ein Skandal, dass der Gesetzgeber in Form der Grenzwerte quasi festlegt, wie viel Krebs ein AKW erzeugen darf“.


pit

 

 

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