Flüsse als Klimasünder entlarvt

Die große Saarschleife bei Mettlach, Foto: wikimedia commons/ Wolfgang Staudt

Aufgestaute Binnengewässer in Deutschland erzeugen Treibhausgase. Dies stellten nun Wissenschaftler der Universität Koblenz-Landau bei Wasseruntersuchungen an der Saar fest. Sie fordern deshalb, die Ausdünstungen von Flüssen und Seen stärker in die Klimabilanzen miteinzubeziehen.

 

Weltweit werden mehr als sechzig Prozent der Flusssysteme gestaut. Die Folge: Durch verlangsamte Fließgeschwindigkeiten lagert sich die mitgeführte organisch Substanz in Flussbett ab. Dort wird sie teils unter anaeroben Bedingungen zersetzt, was zur Bildung des Treibhausgases Methan führt, welches 25-mal klimaschädlicher als Kohlenstoffdioxid ist.

 

Für ihre Untersuchungen nahmen die Landauer Forscher an der Saar an verschiedenen Stellen Wasserproben und untersuchten diese auf ihren Methangehalt. Unter der Leitung von Andreas Lorke, Professor für Umweltphysik, ermittelten sie Emissionspfade und berechneten die Methan-Abgabe des Flusses pro Tag – 380 Kilogramm!

 

Steigerung der Methan-Emissionen durch reduzierte Fließgeschwindigkeit und Staustufen

 

„Die an der Saar ermittelten Emissionsraten von Methan haben wir in dieser Größenordnung nicht erwartet und sie sind vergleichbar mit tropischen Stauseen“, erklärt Lorke. „Messungen an anderen Flusssystemen in Europa deuten auf ähnliche Ergebnisse hin. Damit besitzen Flüsse und Stauhaltungen in der gemäßigten Klimazone einen relevanten Anteil an den globalen Emissionsraten und sollten auf jeden Fall in globalen Treibhausgasbilanzen stärker berücksichtigt werden.“

 

Der größte Teile des Saar-Methans stammt aus Gasblasen in den Stauhaltungen (54 Prozent) und aus der Ausgasung direkt hinter den Dämmen (41 Prozent), wo Turbulenzen den Gasaustausch erleichtern. Der „natürliche“ Gasaustausch zwischen Wasseroberfläche und Luft trägt mit nur fünf Prozent minimal zum Gesamtausstoß bei.

 

Ein Viertel der Methan-Emissionen hat aquatischen Ursprung

 

Im Vergleich mit dem Ausstoß von Treibhausgasen durch das Verbrennen fossiler Energieträger sind die Ausdünstungen der Flüsse eher gering. Wenn man bedenkt, dass an der Saar Kraftwerke mit einer Gesamtleistung von 32,5 Megawatt installiert sind, ergibt sich rein rechnerisch eine Treibhausgasmenge von nur vier beziehungsweise acht Prozent verglichen mit der Stromerzeugung herkömmlicher Kohle- oder Gaskraftwerke.

 

Trotzdem sollte man diese Emissionen nicht kleinreden. Brasilianische Forscher schätzen nämlich, dass Seen, große Stauseen und Flüsse mit 104 Millionen Tonnen Methan pro Jahr für fast ein Viertel aller von Menschen verursachten Methan-Emissionen verantwortlich sind. JET

 

 

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