
Neuer Denkanstoß für Klimaforscher: Wissenschaftler des National Center for Atmospheric Science (NCAS) und der Universitäten von New York und Leeds entdeckten, dass über dem tropischen Atlantik vor den kapverdischen Inseln gut 50 Prozent mehr Ozon abgebaut wird als alle bislang bekannten Klima-Modelle dies annahmen. Die gute Nachricht: Der Ozon-Abbau in der unteren Atmosphäre verringert den Treibhaus-Effekt – die Erhitzung der Erde könnte dadurch also abgeschwächt werden.
Die positive Wirkung des neu entdeckten Ozon-Abbaus in den niederen Atmosphärenschichten über dem Ozean vor Afrika ist sogar gleich doppelt. Erstens wirkt Ozon selbst als Treibhausgas und sein Abbau reduziert die weitere Erderwärmung. Zweitens greifen die beim Ozon-Abbau entstehenden Moleküle ihrerseits ein zweites, sehr aggressives Treibhausgas an und zersetzen auch dieses: Methan.
„Erkenntnis ist keine Entwarnung für das Erdklima“
Die Wissenschaftler aus England, Deutschland und von den Kapverden forschten am neu eingerichteten Cape Verde Atmospheric Observatory auf der Insel São Vicente. Sie rüsteten dafür ein Forschungsflugzeug mit eigens dafür konstruierten Messinstrumenten aus und sammelten in verschiedenen Höhen über dem Meer Daten über die Konzentration des Sauerstoff-Isotops. Instituts-Direktor Alastair Lewis und der Atmosphärenforscher John Plane aus Leeds leiteten die Studie. Das Ergebnis veröffentlichten die Wissenschaftler jetzt im Fachblatt Nature.
Brom- und Jod-Oxide die von Phytoplankton ausgeschieden und in der Gischt über dem Meer verwirbelt werden, lösen die Zersetzung des dreiatomigen Sauerstoffmoleküle aus. „Bis heute war es unmöglich, diesen Vorgang in einer so weit abgelegenen Region zu dokumentieren“, schreiben die Wissenschaftler über ihre Arbeit.
So positiv die Nachricht im ersten Moment klingt, warnt Alastair Lewis vor Euphorie: „Obwohl der Vorgang weit mehr Ozon und Methan zerstört als wir bislang dachten, ist nicht sicher, dass die Ozeane jetzt als Treibhausgas-Senken anzusehen sind.“ Die Zusammensetzung der Atmosphäre sei fein austariert, erklärt der Professor. „Schon eine geringfügige Verschiebung etwa von Stickoxiden – etwa aus Verbrennungsrückständen – kann das Gleichgewicht zum kippen bringen und aus der jetzt entdeckten Senke wieder eine Quelle neuer Treibhausgase entstehen lassen.“
„Deshalb“, ergänzt sein Kollege Plane, „müssen wir weitere Daten über den Mechanismus erforschen.“ Er schließt aus seiner Studie vor den kapverdischen Inseln aber auch, dass dieser Vorgang rund um den Globus in gleicher Weise vonstatten gehen werde.
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