07.11.2018

Frühes Pflanzenwachstum senkt CO₂ Speicherung

Foto: Pixabay CC/PublicDomain

Falsch gedacht: Weil der Klimawandel im Frühling die Bäume früher ausschlagen und seine Blätter sprießen lässt, dachten Wissenschaftler zunächst, das wirke der Erderwärmung entgegen, weil die Bäume damit mehr Kohlendioxid (CO₂) dabei binden. Dass es - leider - anders ist zeigen jetzt Satellitenbilder: In vielen Gegenden führt ein vorverlegter Frühling zu einer verringerten Biomasseproduktion im Sommer und Herbst - also binden Bäume sogar weniger CO₂.

"Die bisher verwendeten Klimamodelle müssen angepasst werden, die Lage des Weltklimas ist noch angespannter als bisher gedacht", bringt Professor Wolfgang Buermann die Erkennntnis im Wissenschaftsjournal Nature auf den Punkt. Das Ergebnis seiner Studie an der School of Earth and Environment der University of Leeds und als Inhaber des Lehrstuhls für Physische Geographie mit Schwerpunkt Klimaforschung an die Universität Augsburg publiziert jetzt auch der Informationsdienst der Wissenschaft (idw).

 

Folgen der Klimaerwärmung wohl noch dramatischer

 

„Dass sich die Anfänge und Enden der Wachstumsperioden in den nördlichen Ökosystemen verschieben, wussten wir bereits“, sagt Buermann dem idw. Nun sei es zum ersten Mal gelungen, die Auswirkungen dieses Effekts auf hemisphärischem Maßstab zu untersuchen.

Möglich machten dies Satellitendaten: „Wir haben Satellitenbilder aus den letzten dreißig Jahren analysiert – der gesamte Globus nördlich des 30. Breitengrades wurde untersucht, von Südeuropa und Japan bis zu den Tundra-Regionen im hohen Norden“, sagt Buermann.

Wo viel Vegetation vorhanden ist, werde grünes Licht stark absorbiert, infrarotes Licht hingegen stark reflektiert. „Daraus", so Buermann, "lässt sich rund um den Erdball Punkt für Punkt bestimmen, wie viel Photosynthese stattfindet und wie viel Biomasse produziert wird." Diese aufwändigen Datenanalysen wurden in Großbritannien und an der TU Wien durchgeführt, zusätzlich waren auch Forschungsgruppen aus den USA und mehreren anderen Ländern beteiligt.

Die Daten zeigen zwar, dass die Nordhalbkugel im Frühling tatsächlich grüner wird, wenn es besonders warm ist. Doch dieser Effekt kann sich im Sommer und im Herbst umkehren, sodass insgesamt durch die Erwärmung sogar weniger Biomasse entsteht.

 

 

Klimawandel: Bäume ziehen über den Kontinent

Wie einst die ersten Siedler: In den USA notiert Richard Waring, emeritierter Professor an der Oregon State University, „eine massive Wanderung der Bäume Richtung Westen“.

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Das kann unterschiedliche Gründe haben, betonen die Forscher: Das verstärkte Pflanzenwachstum im Frühling kann den Wasserbedarf und die Verdunstung erhöhen, sodass die Bodenfeuchte sinkt und die Pflanzen dann später im Jahr nicht mehr genügend Wasser zur Verfügung haben. Möglicherweise haben bestimmte Pflanzen auch eine natürlich vorgegebene Wachstumsdauer, die sich auch durch früheren Wachstumsbeginn nicht verlängern lässt.

„Diese Mechanismen sind kompliziert und regional unterschiedlich“, sagt Forscherkollege Matthias Forkel aus Wien. „Doch unsere Daten zeigen eindeutig, dass im Durchschnitt die Produktivität der Pflanzen in Jahren mit warmem Frühling abnimmt. Die bisherigen Klimamodelle berücksichtigen zwar das Pflanzenwachstum, aber diesen Effekt hatten sie bisher nicht vorhergesagt. Sie müssen daher angepasst werden."

Buermann ergänzt: „Leider verändern sich dadurch die Klimaprognosen in eine unerfreuliche Richtung. Wir müssen davon ausgehen, dass die Folgen der Klimaerwärmung dadurch noch dramatischer sein werden als bisher berechnet.“


red

 

 

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