
Eine Studie der Forscher der Leibniz Universität Hannover hat massive Versäumnisse der Betreiberfirma aufgedeckt: Bei Erdarbeiten des Reaktorbetreibers TEPCO sind im August 2013, mehr als zwei Jahre nach dem Reaktorunfall, 300 Gigabecquerel an Cäsium-137 auf dem AKW-Gelände freigesetzt und durch den Wind weitergetragen worden. Die Zahlen der aktuellen Studie, die Prof. Dr. Georg Steinhauser mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vom Institut für Radioökologie und Strahlenschutz der Leibniz Universität gemeinsam mit japanischen Hochschulen durchgeführt hat, ist Titelgeschichte der aktuellen Dezember-Ausgabe der Fachzeitschrift "Environmental Science & Technology".
„Die Ergebnisse in diesem Ausmaß haben uns überrascht, das haben wir nicht für vorstellbar gehalten. TEPCO hat offensichtlich die einfachsten Vorsichtsmaßnahmen wie etwa Abdeckungen mit Planen zur Staubunterdrückung und das Warten auf günstige Windverhältnisse außer Acht gelassen“, sagt Professor Steinhauser, Co-Initiator der Studie. Die Betreiberfirma habe ganz offensichtlich damals Vorsichtsmaßnahmen, wie das Abdecken mit Planen zur Staubunterdrückung oder das Warten auf günstige Windverhältnisse, außer Acht gelassen.
Die Wissenschaftler sind sich sicher, dass der Staub vom Kraftwerksgelände stammt und damit von TEPCO zu verantworten ist. „Unsere japanischen Co-Autoren haben wenige Monate nach dem Unfall 2011 drei Luftfilterstationen nördlich, westlich und südlich des AKW in Fukushima installiert, die seitdem in wöchentlichem Abstand ausgewertet wurden. So sind die hohen Werte nördlich von Fukushima im August 2013 erstmals aufgefallen“, berichtet Steinhauser.

Auch die Bodenproben legen laut Steinhauser nahe, dass nach dem Unfall abgelagertes radioaktives Material bei Erdarbeiten im August 2013 freigesetzt wurde. Die Kontaminationen selbst, wie das schwerflüchtige Strontium-90 (Sr-90), wurden nach Fukushima meist nur in unmittelbarer Reaktornähe gefunden. „Wir gehen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon aus, dass die Staubwolken vom AKW-Gelände stammen“, sagt Steinhauser.
Darüber hinaus hätten die japanischen Kollegen bei der Auswertung von Meldungen von TEPCO Hinweise gefunden, dass in den fraglichen Zeiträumen auch die Arbeiter vor Ort einer hohen Belastung mit radioaktivem Staub ausgesetzt waren. Mit Blick auf die Zukunft ergänzt Steinhauser: „In Fukushima wird noch viele Jahrzehnte gebaggert werden – es kann nicht sein, dass TEPCO dabei jedes Mal eine derartige kontaminierte Staubwolke erzeugt.“
Die aktuelle Ausgabe von Environmental Science & Technology finden Sie hier: pubs.acs.org/toc/esthag/current
hjo
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