IWES: Wie die Energiewende ein Geschäft wird

Investitionskosten der Energiewende Grafik: IWES

Alle reden bei der Energiewende über Kosten. Experten vom Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) in Kassel halten das für fatal und zeigen mit ihrem „Geschäftsmodell Energiewende“, dass „Investitionen in die Energiewende durchaus rentabel sind und wie sie bis 2050 finanziert werden könnten.

Die jetzt vorgelegte Studie will die Debatte um Strompreisbremse, Deckelung des Ausbaus oder Trassenbau für neue Stromleitungen versachlichen und liefert dafür harte ökonomische Argumente.

„Unsere umfangreichen Berechnungen belegen, dass die Energiewende auch unter sehr konservativen Annahmen, insbesondere für institutionelle Anleger ein hoch attraktives Geschäft ist“, betont IWES-Institutsleiter Clemens Hoffmann in einer Pressemeldung über die aktuelle Studie. Selbst ehrgeizige Ziele wie die Vollversorgung mit erneuerbaren Energien seien nach seiner Überzeugung wirtschaftlich darstellbar. „Das Kostenargument ist also für klimapolitische Entscheidungen nicht mehr zielführend.“

 

300 Mia. Euro bis Break-Even in Energiewende investieren

 

Die Wissenschaftler stellen den kapitalkostenintensiven Investitionen in die notwendigen neuen Technologien die Einsparungen gegenüber, die durch den Rückbau der betriebskostenintensiven Technologien im Bereich der fossilen Brennstoffe erzielt werden. Mit dieser Idee und Logik errechnen die Experten sinkende Ausgaben für Primärenergie und deren Importe. Sie gehen davon aus, „dass die Investitionen in die Infrastruktur der erneuerbaren Energien so gesteuert werden können, dass die Kosten für die fossile Primärenergie von derzeit 83 Milliarden Euro pro Jahr über einen Zeitraum von 40 Jahren praktisch auf Null abgesenkt werden können“, heißt es in ihrer Studie.

Nach den neuen IWES-Berechnungen werde auf diesem Weg in 15-20 Jahren der Punkt erreicht, an dem die Ausbaukosten für die erneuerbaren Energien und die Beschaffungskosten für die fossile Energie zusammen genommen die heutigen Primärenergiekosten unterschreiten.

„Nach Erreichung dieses Break-Even werden die Energiekosten kontinuierlich absinken und in rund 30 Jahren, wenn der Ausbau erneuerbarer Energien weitgehend beendet ist, sind Investitionen hauptsächlich für den Erhalt der neu aufgebauten Infrastruktur (Repowering) notwendig. Diese fallen damit pro Jahr deutlich geringer aus als während der Transformationsphase“, prognostiziert der Leiter der Studie, Norman Gerhardt.

 

Energiewende als globale Geschäftschance

 

Rund 300-380 Milliarden Euro müssten nach seinen Angaben bis zum Break-Even vorfinanziert und in den folgenden Jahrzehnten getilgt werden. Selbst bei einem gleichbleibenden Preisniveau für fossile Energieträger rechnen die IWES-Experten bis 2050 mit einer inflationsbereinigten Verzinsung der Darlehen von 2,3 Prozent. Dieser Betrag könne sogar vier bis sieben Prozent betragen, wenn die Preise für Öl und Erdgas steigen. Dabei sind die Kosten für Treibhausgasmissionen noch nicht berücksichtigt.

Gefragt sind nach Überzeugung der Fraunhofer-Wissenschaftler nun der Gesetzgeber, die Regulierungsbehörden und die Finanzwirtschaft, um die für eine regenerative Vollversorgung notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Der erste wichtige Schritt sei die politische Implementierung des Finanzierungsplans. Die Energiewende sei eine große, globale Geschäftschance und ein erfolgreiches deutsches Energiewende-Projekt könne dem Kampf gegen den Klimawandel weltweit entscheidenden Aufwind verleihen.


red

 

 

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