
Klimaschutz ist ein hehres Ziel – er hakt jedoch auf der konkreten Handlungsebene. Zu diesem Ergebnis kommt jetzt eine Untersuchung am Leibniz-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung (IRS). Dort untersuchten Thorsten Heimann und sein Wissenschaftlerteam die Wahrnehmung, Strategien und Medienberichte zum Klimawandel im Ostseeraum. Heimanns Fazit: „Den mitunter hochtrabenden Zielen der nationalen und internationalen Klimapolitik steht eine mangelhafte Umsetzung auf lokaler Ebene gegenüber.“
„Klimawandel selbst kann nicht wahrgenommen werden, die Menschen nehmen nur Extremwetterereignisse bewusst wahr“, zitiert die Agentur Pressetext Heimanns Kollegin Gabriele Christmann, nachdem die IRS-Forscher Medien zum Thema über einen Zeitraum eines Jahrzehnts ausgewertet haben.
Die Forscher befragten darüber hinaus Politiker, Behörden-Mitarbeiter sowie Manager und Akteure in NGOs in allen deutschen Küstengemeinden. So wollten sie herausfinden, welche Strategien zum Umgang mit dem Klimawandel lokal als notwendig gelten – und welche nicht.
Klimawandel: Für den Einen eine Gefahr für den Anderen eine Chance
Am gravierendsten stelle sich, so beschreibt Pressetext das Studienergebnis, der „Mismatch zwischen nationaler und internationaler Klimapolitik sowie der lokalen Ebene“ dar. Ob Klimawandel überhaupt als Problem wahrgenommen wird, sei nicht flächendeckend gegeben, sagt etwa Nicole Mahlkow. Die Mitautorin der Studie verdeutlicht das so: „In dieser Hinsicht unterscheiden sich beispielsweise die lokalen Perspektiven in den Städten Lübeck und Rostock – was in Lübeck vor allem als potenzielle Gefahr diskutiert wird, verheißt in Rostock steigende Touristenzahlen an den Stränden.“
Ähnlich konträre Meinungen gibt es beispielsweise bei der Bedrohung durch Binnenhochwasser. Heimann erläutert, wie unterschiedliche Wahrnehmungen und Bewertungen zu jeweils differenzierten Aktionen führen: In Deutschland sei es derzeit ein Tabu, Siedlungen für natürliche Überflutungsflächen aufzugeben. In den Niederlanden oder Frankreich gebe es hingegen einzelne Landstriche, für die es zur Strategie wurde, dort dem Wasser mehr Raum zu geben. Heimanns Fazit: „Wir müssen davon wegkommen, für alle Probleme dieser Art einen überall gültigen Standard finden zu wollen. Wenn lokale Unterschiede missachtet werden, wird fehlender Konsens zum Scheitern der Bemühungen führen.“
Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Klimaanpassung sollten daher nicht gegeneinander ausgespielt werden, empfehlen die Sozialwissenschafter des IRS. Einen Widerspruch zwischen der „Installation einer Solaranlage zur CO2-Minderung und einem durchdachten regionalen Flussmanagement zur Eindämmung von Überflutungsschäden“ erkennen sie nicht. Höchstens ein Kommunikationsproblem: „Die Wirklichkeit der Medien und die Wirklichkeit der Experten klaffen aber oft weit auseinander“, kommentiert dies IRS-Wissenschaftler Karsten Balgar. Die Kommunikation von Klimapolitik spiele daher eine zentrale Rolle.
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