
Der Kampf gegen den Klimawandel gelingt nur, wenn wir zugleich die Armut in der Welt zurückdrängen. Zu diesem Ergebnis gelangen jetzt die Göttinger Wissenschaftler Michael Jakob und Jan Steckel vom Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) und ihre Kollegen vom German Institute of Global and Area Studies in einer Studie. Sie veröffentlichten sie im Fachorgan Nature Climate Change.
Sie zeigen, auf welchen politischen, institutionellen und finanziellen Pfaden Wachstum für die armen Ländern möglich ist – bei gleichzeitiger Abschwächung des Klimawandels. „ Besonders vielversprechend wären ein Subventionsabbau für fossile Energieträger, ein Brennstoffwechsel im Energiesektor sowie karbonarme Technologien für dezentrale Energieversorgung“, sagt Steckel. Er nennt als Beispiele die Förderung lokaler Solaranlagen und Mini-Wasserkraftwerke.
Entwicklung und Gesundheit in armen Staaten mehr fördern
Laut der Studie ist es empfehlenswert, sich klimapolitisch nicht nur auf große Emittenten der BRICS-Staaten zu konzentrieren, sondern auch auf Staaten wie Vietnam oder Nigeria. „Wir können zeigen, dass mit wachsenden Einkommen auch die CO2-Emissionen steigen“, sagt Steckel. „Da etwa in armen aber schnell wachsenden Ländern wie Vietnam und Nigeria die Industrialisierung zunimmt und die Mittelschicht wächst, erwarten wir bald steigende CO2-Emissionen. In diesen Staaten würde sich für die internationale Klimapolitik ein guter Ansatzpunkt finden.“
Die Autoren mahnen zudem, die Entwicklungsziele ärmerer Staaten nicht nur unter finanziellen Gesichtspunkten zu beachten. Sie wollen auch die institutionellen Voraussetzungen für mögliche Finanztransfers in den Blick nehmen.
„Wir gehen davon aus, dass viele Staaten oft nicht das institutionelle Umfeld haben, hohe Summen zur Förderung von Maßnahmen zur Emissionsminderung auch effektiv einzusetzen. Hier müssten die Industriestaaten ansetzen, denn nur Geld zu zahlen, reicht nicht“, sagt Michael Jakob. „Hohe Klimafinanzhilfen könnten das Wirtschaftswachstum sogar dämpfen.“
Konkret raten die Wissenschaftler, Entwicklungsziele von ärmeren Staaten etwa in der Gesundheitspolitik zu unterstützen.
„Wenn die Politik zunächst Probleme wie die schlechte Luftqualität in vielen Ländern in den Blick nimmt, dürften die Unterstützung dafür leichter zu bekommen sein, weil die zu erwartenden Erfolge kurzfristig eintreten“, sagt Jakob. „Die langfristige Emissionsreduktion ist dann ein begrüßenswerter aber nicht weniger wichtiger Nebeneffekt.“
red
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