Koalitionsabgeordnete: Chance für Teersand-Sprit

Foto: J. Rezac/WWF

Ist die Energiewende ernst gemeint? Die deutschen Umweltverbände zweifeln am Willen der Berliner Politiker. Erst will die Bundesregierung ein neues AKW in Brasilien mitfinanzieren, jetzt moniert der WWF die jüngste Abstimmung im Umweltausschuss des Bundestages. Er hat den Vorschlag der EU-Kommission abgelehnt, Teersand-Import durch schärfere Auflagen zu erschweren. „Damit“, so Viviane Raddatz vom WWF, „haben sich die Abgeordneten zu Botschaftern des Kyoto-Aussteigers Kanada gemacht.“

Die WWF-Kritik fällt deutlich aus: „Erst hat die Regierung eine beispiellose Hängepartie veranstaltet und die Entscheidung über die deutsche Positionierung immer wieder hinausgezögert, nur um dann nach der Pfeife der internationalen Öl-Konzerne zu tanzen und Kyoto-Aussteiger Kanada auf seinem Weg abseits der internationalen Staatengemeinschaft zu bestärken“, urteilt Raddatz in einer Presseerklärung der Naturschutzstiftung. „Mit dieser Entscheidung haben sich die Abgeordneten widerstandslos vor den Karren der Öl-Industrie spannen lassen“.

 

Foto: J. Rezac/WWF

Die selbst gesteckten CO2-Einsparziele seien mit Teersand-Benzin nicht zu erreichen, ist sich Viviane Raddatz vom WWF sicher.

Die EU dagegen will die Klimaauflagen für Teersand-Benzin verschärfen. Daraus produzierte Kraftstoffe müssen sich höhere CO2-Werte anrechnen lassen, als herkömmliche - so will es die EU-Kommission. Am 23. Februar stimmt der Expertenausschuss der EU-Kommission über den entsprechenden Gesetzesentwurf ab. Anstatt die EU in ihrem Vorhaben zu unterstützen, lehnt nun der Umweltausschuss den Vorschlag der EU-Kommission ab.

Die Europäische Union will bis zum Jahr 2020 die Kohlenstoffdioxid-Emissionen ihrer Mitgliedsstaaten um 20 Prozent senken. Einen wichtigen Beitrag, um dieses Ziel zu erreichen, soll dabei der Verkehrssektor liefern. „Effizientere Fahrzeuge sind natürlich enorm wichtig“, betont dazu der WWF. „Aber auch die verwendeten Treibstoffe bieten großes CO2-Einsparpotential.“

Zum Hintergrund der Debatte erklärt der WWF und andere Umweltverbände, dass Benzin aus konventionellem Rohöl den Standardwert 87,5 Gramm Kohlenstoffdioxid pro Megajoule Energie (g CO2/MJ) enthalte. Die Rohölgewinnung aus Teersanden (auch als unkonventionelles Öl bezeichnet) sei ein energieaufwändiges Verfahren. Der Standardwert für „Teersand-Benzin“ werde auf der Grundlage einer Studie der Stanfort-University für die EU-Kommission mit 107 g CO2/MJ gelistet. „Die CO2-Emissionen sind demnach um 23 Prozent höher als bei Kraftstoffen aus konventionellem Öl“, so der WWF.

Derzeit beträgt der Anteil von Teersandprodukten am weltweiten Rohölmarkt zwei Prozent. Doch zahlreiche europäische Ölfirmen investieren bereits massiv in Kanadas schmutziges Öl - darunter auch Shell und BP. Im Jahr 2020 werden es insgesamt 18 Unternehmen sein, die 2.596.000 Barrel täglich fördern wollen.

 

Lesen Sie auch

 

Schlechte Umwelt-Noten für die Bundesregierung

Auto teilen – Weg zum umweltfreundlichen Fahren

Video: 200 Jahre Klimawandel in zwei Minuten

Most Wanted

Sarah Baker Foto: LLL/flickr CC

Hoffnung für den Klimaschutz

Wissenschaftler am Lawrence Livermore Forschungslabor haben nicht nur den Schlüssel gefunden, mit...


Foto: Pixabay CC/PublicDomain/Pexels

Kehrseite des Sportevents: Tonnenweise Essensmüll

Superbowl: In der Nacht des Football-Endspiels der besten Teams verzehren die Zuschauer – im...


Foto: Pixabay CC/PublicDomain/Arek Socha

Neuer Ansatz für Ökoenergie: Strom aus Wassertropfen

Neue, Idee für die Energiewende: Wissenschaftler der City University Hongkong entwickelten einen...


Neu im global° blog

Foto: Pressenza (CC BY 4.0)

Atomwaffen verstoßen gegen das Recht auf Leben

Die Organisationen IALANA, IPPNW und ICAN weisen anlässlich des Tages der Menschenrechte auf den...


Foto: ZDF / Martin Kaeswurm

"Schattenmacht Blackrock"

Der amerikanische Finanzinvestor Blackrock verwaltet im Auftrag seiner Kunden über sechs Billionen...


Screenshot: gunther-moll.de

Die Botschaft

Eine lebenswerte Zukunft im Einklang mit der Natur ist auf diesem Planeten möglich, wenn wir uns...


Folgen Sie uns: