
Hoffnung mitten im Klimawandel: Können Einzeller helfen, unsere Küsten und Riffe vor allzu großen Schäden zu bewahren?
Sie sind winzig, kaum größer als ein Sandkorn, und mit dem Formenreichtum ihrer Kalkschalen unter dem Mikroskop eine echte Augenweide. Der natürliche Lebensraum der zu den Foraminiferen gehörenden Amphisteginen ist der Boden tropischer und subtropischer Meere- doch im Zuge des Klimawandels breiten sich die Einzeller rasant in höhere Breiten aus. Bis zu acht Kilometer weit könnten die Winzlinge im Jahr polwärts wandern, so Anna Weinmann, Doktorandin am Steinmann-Institut der Universität Bonn.
Die Gründe dafür? Neben dem Salz- und Nährstoffgehalt des Wassers ist auch die Temperatur ein wichtiger Faktor. Klimamodelle der vorliegenden Studie prognostizieren eine durchschnittliche Erwärmung der Meere um 2,5 Grad Celsius bis zum Jahr 2100. Damit könnte die Ausbreitungsgrenze der Kalkschaler zum Jahrhundertwechsel bereits 300 Kilometer näher an den Polen liegen als heute, sagen die Forscher.
Aber was haben jetzt unsere Küsten davon? „Foraminiferen sind Ökosystem-Ingenieure- sie können pro Jahr und Quadratmeter Meeresboden bis zu zwei Kilogramm Kalk produzieren“, erläutert Prof. Dr. Martin Langer von der Universität Bonn. „Sie werden sich in Zukunft massiv ausbreiten und mit ihren Kalkschalen unsere Küsten und Riffe stabilisieren.“ Da bereits jetzt viele Staaten über die dank des Klimawandels steigenden Meeresspiegel klagen, durfte ihnen dieser Dienst mehr als willkommen sein.
Dass die Foraminiferen selbst dem Klimawandel zum Opfer fallen, ist aktuell nicht zu befürchten, denn sie verfügen über einen weiteren entscheidenden Vorteil: Ihre Schalen bestehen aus Kalzit, einer Kalkform, die weniger säureempfindlich ist als das Aragonit im Skelett vieler Korallen. Die fortschreitende Ozeanversauerung sollte den winzigen Einzellern also weniger zu schaffen machen als ihren riffbildenden Kollegen. „Amphisteginen und andere Foraminiferen werden zunehmend die Kalkproduktion der Korallen übernehmen und deren ökologische Nische besetzen“, vermutet Prof. Langer. NISO
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