Lobbyist Altmaier: Fläschchen für große Schlucker

Foto: Greenpeace/ M. Schmidt

Protestaktion und Erinnerungsstütze zugleich: Greenpeace-Aktivisten fordern vom Minister, endlich Verantwortung zu übernehmen und seine Lobbyarbeit einzustellen. „Herr Altmaier, Klima schützen statt Spritschlucker päppeln!“ Diese Aufforderung steht auf einem 10 mal 10 Meter großen Banner, das seit heute morgen das Bundesumweltministerium in Berlin ziert. Anlass der Aktion sind die heute beginnenden Verhandlungen über CO2-Grenzwerte für Neuwagen in der Europäischen Union.

 

In Brüssel beraten die Ländervertreter ab heute über den ab 2020 geltenden CO2-Grenzwert für neue Autos. Zur Debatte steht der Vorschlag der EU-Kommission, den Wert auf 95 Gramm CO2 pro Kilometer zu beschränken, was in etwa 3,9 Liter Sprit auf 100 Kilometern entspricht. Der deutsche Umweltminister Peter Altmaier forderte bereits vor Beginn der Verhandlungen, eine Abschwächung dieses Grenzwertes und brachte sogenannte Super Credits ins Spiel.

 

Super Credits für die deutschen Autobauer

 

Der Minister und die Automobilindustrie fordern Super Credits als Bonuspunkte für Elektro- und Hybridautos. Die umweltschonenden Fahrzeuge sollen nach ihrem Willen gleich mehrfach auf die CO2-Bilanz der Hersteller angerechnet werden können. „Mit Super Credits soll den Herstellern ein Anreiz gegeben werden, besonders effiziente und umweltfreundliche Antriebstechnologien frühzeitig auf den Markt zu bringen, auch wenn diese bei den Herstellkosten gegenüber den konventionellen Antrieben noch nicht konkurrenzfähig sind.“ ist auf der Seite des Bundesumweltministeriums zu lesen.

 

Für einen kritischen Leser klingt das allerdings nicht nur nach einem Anreiz, alternative Technologien zu entwickeln, sondern auch nach Lobbyarbeit für die Automobilhersteller. Wenn man nur lange genug mit den Zahlen jongliert und alles mit allem irgendwie verrechnen kann, brauchen sich BWM, Daimler & Co. auch in Zukunft nicht sehr anstrengen und können weiter ihre großen, teuren und Sprit-hungrigen Modelle verkaufen.

 

Volkswagen: ein grünes Schaf in einer schwarzen Herde?

 

Greenpeace-Verkehrsexperte Wolfgang Lohbeck stellt klar: „Minister Altmaier irrt, wenn er glaubt, die Interessen aller deutschen Autobauer zu vertreten. Er scheint zu übersehen, dass er mit seinen Forderungen hinter die Vorstellungen des größten europäischen Herstellers VW zurückfällt.“ Denn nach einem Gespräch mit der Greenpeace-Chefin Brigitte Behrens erklärte VW-Chef Martin Winterkorn Ende März, dass sein Konzern das 95-Gramm-Ziel der EU ohne wenn und aber und ohne Schlupflöcher einhalten wolle.

 

Lohbeck ergänzt: „Für die Energiewende, von der der Minister so viel redet, tut er im Verkehrsbereich nichts. Im Gegenteil: Seine Position schadet dem Klima und der Entwicklung Sprit-sparender Autos.“ Zum Glück konnte sich Altmaier im bisherigen Gesetzgebungsverfahren nicht durchsetzen. Bleibt zu hoffen, dass es ihm bei den weiteren Verhandlungen auch nicht gelingt.

 

Umwelt- und Klimaschützer lehnen eine Aufweichung des EU-Grenzwertes generell ab. Für 2025 fordert Greenpeace eine weitere Reduktion des Grenzwertes auf höchstens 60 Gramm CO2, was in etwa 2,5 Liter auf 100 Kilometern entspricht. JET

 

 

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