Pannenserie im AKW Cattenom geht weiter

Foto: Stefan Kühn

Das Atomkraftwerk Cattenom in Lothringen ist eine „tickende Zeitbombe“, so Simone Peter, die Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion im Saarland. Vergangenen Freitag brannte ein Transformator im Reaktor 1. Der 48ste Zwischenfall nun innerhalb eines Jahres. Nummer 49 ließ nicht lange auf sich warten: Gestern Nachmittag, den 11. Juni 2013 ereignete sich ein weiterer „Störfall“ in Reaktor 3.

 

Riesige schwarze Rauchwolken stiegen letzten Freitag über dem AKW nahe der deutsch-französischen Grenze auf. Ein Haupttransformator hat Feuer gefangen. Grund war ein Ölbrand. Der Reaktor wurde automatisch abgeschaltet und der interne Notfallplan ausgerufen. Also alles halb so wild. So sieht das jedenfalls der Direktor des Kraftwerks Guy Catrix. Der Brand sei in einer elektrischen Anlage außerhalb des nuklearen Bereichs ausgebrochen. Und ob die jüngste „Anomalie“ in Reaktor 3 etwas mit den Brand zu tun haben könnte, stehe bislang nicht fest.

 

Cattenom muss vom Netz!

 

Sein Atomkraftwerk sei nicht veraltet, so Guy Catrix. Die französische Atomaufsichtsbehörde ASN ist da anderer Meinung und bescheinigte ihm nicht die beste Qualität. Vor allem das Handling der Zwischenfälle, die Koordination und die Kommunikation seien „stark verbesserungswürdig“. Auch beim Strahlenschutz der Arbeiter in Cattenom müsse der Betreiber noch deutliche Fortschritte machen. Zu diesem Ergebnis kam die ASN nach 30 Untersuchungen im AKW im Jahr 2012. Nach 48 offiziell bekannten Zwischenfällen hat das Team in Cattenom scheinbar immer noch wenig Übung in ihrer Kommunikation.

 

 

Foto: Mäfä

Es ist höchste Zeit, dieses Atomkraftwerk an der Grenze zu Rheinland-Pfalz endlich vom Netz zu nehmen", meint die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Eveline Lemke (Grüne) in einer ersten Stellungnahme nach der Brandmeldung. Als ob ihre Parteikollegin Stephanie Nabinger geahnt hätte, dass auf den Brand bereits vier Tage später ein weiterer Zwischenfall kommen werde, mahnte sie am Montag: "Der Brand am Atomkraftwerk Cattenom hat wieder einmal bestätigt, dass Atomkraft nicht beherrschbar ist. (...) Vor allem der Pannenmeiler an der Grenze zu Rheinland-Pfalz ist mit seinen vielen nachgewiesenen Störfällen (...) ein nicht hinnehmbares Risiko. Die defensive Informationspolitik des Betreibers EDF lässt zudem vermuten, dass wir nur die Spitze des Eisbergs kennen. (...) Rheinland-Pfalz ist als unmittelbarer Nachbar betroffen. Im Falle eines GAUs würden große Teile unseres Landes unbewohnbar.“

 

Auch im Saarland zeigt man sich besorgt. Umweltministerin Anke Rehlinger betitelt das AKW Cattenom als ein „nicht akzeptables Risiko“. Im Juli wird Bundesumweltminister Peter Altmaier nach Paris reisen. Eine Ministeriumssprecherin teilte dem Saarländischen Rundfunk mit, Altmaier werde den französischen Kollegen die deutsche Haltung zur Energiewende und zum Ausstieg aus der Kernenergie darlegen.

 

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