
60 Billionen US-Doller (über 45 Billionen Euro): Das Auftauen des arktischen Permafrostbodens kommt die Wirtschaft sehr viel teurer als bislang berechnet! Wissenschaftler waren jetzt vor einer „Zeitbombe für die Weltwirtschaft“.
In einem Kommentar für die Fachzeitschrift nature beschreiben die Wissenschaftler aus dem englischen Cambridge und dem niederländischen Rotterdam die Dimension der ökonomischen Bedrohung. Peter Wadhams (Ozeanograph und Physiker an der University Cambridge) und Gail Whiteman (Wirtschaftswissenschaftlerin an der Erasmus University in Rotterdam): „Das wahre Ausmaß und die Folgen des Klimawandels in der Arktis ist bislang kaum beachtet – weder der IWF noch die Manager des World Economic Forums kümmern sich darum.“
Schaden durch Klimawandel so groß wie die gesamte Weltwirtschaft
Für ihre Berechnungen stützen sich Whiteman und Wadhams dabei sogar „nur“ auf Zahlen, die für Ostsibirische See vorliegen. Der Schaden, den vom Meeresgrund freigesetztes Methan in dieser Region auslösen wird, erreicht demnach schon nahezu den gesamten Wert der weltwirtschaftlichen Leistung des Jahres 2012!
Bislang würden ausschließlich die Vorzüge des wärmeren Klimas debattiert, so die besorgten Wissenschaftler: Die Öffnung der Schiffrouten im Norden Kanadas oder Russlands verkürzen die reisezeiten der Containerfrachter und sparen den Spediteuren dadurch eine Menge Geld. Ein schon bald erwarteter eisfreie Zugang zu den unter dem Meer lagernden Bodenschätzen, lässt Öl-, Gas- oder Erz-Spekulanten schon heute frohlocken.
Wie der britische Ökonom Nicolas Stern 2006 die verantwortlichen Politiker und Manager 2006 mit seinem Bericht für den Weltklimarat die wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels ins Gedächtnis rief, hoffen auch Whiteman und Wadhams nun einen heilsamen Schock auszulösen: Denn die schätzungsweise 50 Gigatonnen Methan, die binnen eines Jahrzehnts allein unter der See vor Sibirien in die Atmosphäre steigen, „lassen ein Überschreiten der Zwei-Grad-Celsius-Marke bereits um 15 bis 35 Jahre früher eintreten als wir bisher annahmen“.

80 Prozent der Kosten des Klimawandels bezahlen die Ärmsten
Treffen wird dies – leider wieder einmal – vor allem die ohnehin Ärmeren. 80 Prozent der Kosten, so Whiteman und Wadhams müssen die Menschen in den Ländern des Südens „bezahlen“ - weil die Meere versauern, weil Extremwetter wieder Dürren oder Flutwellen ihre Ernten vernichten oder Parasiten und Krankheiten ihre Gesundheit angreifen.
Die Wissenschaftler fordern daher die verantwortlichen weltweit dazu auf, sich des Problems endlich anzunehmen: „Bekämpfen sie die dramatischen Konsequenzen des Klimawandels jetzt, anstatt auf die vermeintlichen Vorteile der Zukunft zu warten.“
pit
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