Umbau des Landes für ein besseres Klima

Foto. flickr/Audi

Technik allein senkt Treibhausgas- und Schadstoffemissionen nicht: Ohne so genannte „nichttechnische Maßnahmen“ wie mehr Rad- und Fußverkehr sowie den Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel gelingt kein Gegensteuern gegen den Klimawandel. Zu diesem Schluss kommt ein Gutachten, des Umweltbundesamts, das Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI), des Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) und die INFRAS AG aus Zürich Ende des Monats in Berlinvorstellen.

Die Experten nahmen fünf verkehrspolitische Maßnahmen im Hinblick auf die Kosten für deren Umsetzung sowie die Auswirkungen auf private Kosten und Nutzen, das Bruttoinlandsprodukt und die Beschäftigung bis 2030 im Vergleich zu einem Szenario ohne Maßnahmen unter die Lupe.

 

5 Szenarien für weniger Abgase durch Verkehr in Städten

 

1. Wenn wir 10 Prozent mehr Wege in Städten zu Fuß und im Sattel zurücklegen steigert das zwar das Risiko der Radler und Fußgänger, bei Unfällen verletzt zu werden. Breitere Fuß- und Radwege oder verkehrsberuhigte Bewegungszonen, können die Verletzungsgefahr bei Unfällen aber senken. Geld für den Umbau, so empfehlen die Wissenschaftler, könnten eine City-Maut oder höhere Parkplatzgebühren in die Kassen der Kommunen spülen.

 

2. Wenn 10 Prozent mehr Menschen mit Bus und Bahn durch die Städte fahren bedeute dies meist längere Fahrzeiten. Im Gegenzug senke eiun solcher Umstieg „vor allem die Kosten im städtischen Pendler- und Langdistanzverkehr“, so die Wissenschaftler. Den Umbau der Verkehrsinfrastruktur und eine Bevorzugung des ÖPNV vor dem Individualverklehr oder die Beschaffung neuer Busse und Bahnen sollen wiederum Mehreinnahmen aus Parkgebühren und City-Maut erwirtschaften.

 

3. Wenn wir auf 10 Prozent unserer weiter entfernt liegenden Fahrtziele verzichten und nur noch die näheren Fahrten machen, senke dies die neben den Kraftstoffkosten vor allem den Ausstoß der Emissionen. Der Rückgang ist bei dieser Maßnahme am größten aller untersuchten Alternativen, was im Ergebnis auch den größten volkswirtschaftlichen Nutzen ergäbe. Allerdings steht dem auch der höchte Investitionsbedarf entgegen. „Notwendig sind unter anderem die Umgestaltung von Stadt- und Siedlungsräumen und der Ausbau von Naherholungsgebieten“, schreibt das UBA in einer Pressemeldung.

 

City-Maut und Parkgebühren sollen die Umbauten bezahlen helfen

 

4. Wenn jeder Autofahrer 10 Prozent weniger Sprit verbraucht sinken nicht nur die individuellen Betriebskosten, es ergibt sich auch „das weitaus größte Kosten-Nutzen-Verhältnis, da hierfür keine zusätzlichen Investitionen erforderlich sind“. Den Umstieg auf Sprit sparende Autos können Politiker durch die Festsetzung von Grenzwerten oder Anreize für den Kauf abgasärmerer Wagen lenken. UBA: „Noch stärker kann der Kraftstoffverbrauch gesenkt werden, wenn neben Anreizen für den Kaufentscheid auch Anreize für die Verringerung des laufenden Verbrauchs und für höhere Besetzungsgrade gesetzt werden. Dies kann etwa mit einer Anhebung der Energiesteuer auf Kraftstoffe oder mit einer CO2-Steuer in Verbindung mit Angeboten des betrieblichen und kommunalen Mobilitätsmanagements geschehen.“

 

5. Wenn wir 10 Prozent mehr Güter mit der Bahn transportieren, reduzieren sich im Idealfall Betriebskosten und Umwelt- sowie Sicherheitskosten. Möglichen Einsparungen stehen jedoch in der Regel höhere Zeitkosten gegenüber. Die Experten empfehlen eine Verknüpfung von Lkw-Maut und Investitionen für die Bahn zur Bahnbeschleunigung und Produktivitätssteigerung.

Foto: ap/Andibahn

 

Umbau der Stadt-Infrastruktur ist teuer, aber der Effekt lohnt sich

 

Ein solcher Umbau Deutschlands ist teue: Die direkten Investitionen reichen von jährlich einer Milliarde Euro für neue Radwege und Fußgängerzonen bis hin zu mehr als zehn Milliarden Euro für die Umgestaltung von Städten und Gemeinden hin zur Regionalisierung, beispielsweise in Form von mehr Einkaufsmöglichkeiten in der Innenstadt statt auf der „grünen Wiese“. Dennoch lohnt dich der Kraftakt, meinen die Experten und das UBA: „Bis 2030 steigt es in vier von fünf Maßnahmen gegenüber dem Referenzszenario ohne die Maßnahmen leicht an. Der zusätzliche Investitionsimpuls durch infrastrukturelle Baumaßnahmen zum Beispiel im ÖPNV gleicht die negativen Effekte für die Automobilindustrie zumeist aus. Weiterhin werden durch die Investitionen Arbeitsplätze geschaffen. Die Treibhausgasemissionen der jeweiligen Verkehrsbereiche lassen sich um bis zu zwei Prozent für die Verkehrsverlagerungen in Städten sowie um bis zu 30 Prozent für die Verkürzung von Pkw-Fahrten reduzieren.“

Sinn mache der Umbau der Infrastruktur allemal, betont im Vorfeld der Studien-Vorstellung der Leiter des Gremiums, Claus Doll vom ISI: Sinnvoll ist es, mehrere dieser Maßnahmen parallel in Angriff zu nehmen, da die Ziele der einzelnen Maßnahmen eng miteinander zusammenhängen. Zwar sind die gesteckten Ziele ambitioniert, mit passenden Maßnahmenpaketen können diese jedoch im Sinne einer wirtschaftlich, ökologisch und sozial nachhaltigen Mobilität bis 2030 durchaus erreicht werden.“

 

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