(Un)nützliche Klimagipfel?

Alle Jahre wieder veranstalten die Vereinten Nationen Ende November/ Anfang Dezember eine Klimakonferenz. Aber welche Wirkung haben diese Treffen auf die Berichterstattung über den Klimawandel in den einzelnen Ländern? Und wie wichtig nehmen die Medien das Thema überhaupt?

Mit diesen Fragen beschäftigen sich Kommunikationswissenschaftler der Universität Mannheim in einer von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Studie. Beispielhaft untersuchen sie die Auswirkungen der Veranstaltung auf die öffentlichen Diskussionen in Deutschland, den USA, Brasilien, Indien und Südafrika.

 

Menschengemachte Erderwärmung!?!, Foto: wikimedia commons/ QuodScripsiScripsi

Bereits beim UN-Klimagipfel in Doha befragten Hartmut Wessler, Professor für Kommunikationswissenschaften aus Mannheim, und sein Team über dreißig Journalisten, PR-Experten und Vertreter von Nichtregierungsorganisationen. Der Wissenschaftler erläutert: „In einem Teil der Studie wollen wir herausfinden, welche Argumente die jeweiligen Parteien ins Feld führen, welche Geschichten die Journalisten über den Klimawandel erzählen und wie diese bebildert werden.“

 

Außerdem interessiert die Forscher die Entstehung grenzüberschreitende Debatten. „Der Klimawandel ist ein globales Problem, das potenziell verheerende Folgen hat. Aber weil es ein langer Prozess ist und die Prognosen der Wissenschaftler ungenau sind, lässt sich die Problemwahrnehmung schwer kommunikativ aufrechterhalten. Wichtige Umweltverbände denken deshalb bereits über Alternativen jenseits der Konzentration auf die Klimagipfel nach“, erklärt Wessler.

 

Der Einfluss der Medien

 

Klimaforscher drängen darauf, jetzt zu handeln und bis 2015 einen neuen Klimavertrag auszuarbeiten. Ansonsten ließe sich die globale Erderwärmung nicht auf zwei Grad begrenzen. Obwohl die Zeit immer knapper wird, schwindet das Interesse der Medien an diesem Thema.

 

Ermüdungseffekte sind bei öffentlichen Diskussionen normal. Irgendwann ist ein Thema uninteressant und tot geredet. Wer kennt das nicht? Die Debatte um die globale Erderwärmung ist also kein Einzelfall. Das Forscherteam möchte in diesem Zusammenhang herausfinden, inwieweit die Berichterstattung über die jährliche Klimakonferenz die Wahrnehmung der Weltbevölkerung beeinflusst. Sind es folgenlose Ausschläge oder wird der Klimawandel als ernstzunehmendes Problem erkannt? Entsteht eine globale Wir-Gemeinschaft, die sich der Sache annehmen will?

 

Bei der nächsten Klimakonferenz in Warschau im November 2013 werden die Mannheimer Kommunikationswissenschaftler vor allem die Nutzung sozialer Medien wie Facebook und Twitter untersuchen. Ab Mitte 2014 wollen sie dann erste Ergebnisse ihrer Studie bekannt geben.

 

Folgende Tendenzen zeichnen sich jetzt schon ab:

 

1. Klimadebatten unterscheiden sich in den untersuchten Ländern.

Deutschland sieht sich selbst als Vorreiter im Kampf gegen den globalen Klimawandel und ist auch offen für die Argumente der Schwellenländer. Diese fordern, dass die langjährigen Hauptverursacher ihren Ausstoß an Treibhausgasen zuerst deutlich verringern müssen. In den USA dagegen bezweifeln vor allem republikanische Politiker, dass es überhaupt eine Klimaveränderung gibt bzw. ob diese menschengemacht ist.

 

2. Das Interesse an den Ergebnissen der Konferenz ist sehr unterschiedlich.

Aus einigen Ländern reist nur ein einziger Vertreter an, andere schicken gleich ein ganzes Heer von Journalisten. In Doha waren allein zwölf verschiedene Medien aus Deutschland präsent.

 

3. Stellenweise gibt es bereits eine globale Vernetzung.

Als Informationsquellen nennen interviewte Konferenzteilnehmer oft Medien, die sich an ein internationales Publikum wenden, wie beispielsweise CNN International, BBC World oder die britische Tageszeitung The Guardian. Auch Kommentare ausländischer Experten in der Tagesschau belegen dies. JET

 

 

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