„Vergessene“ Polarstürme verändern Klimamodelle

Foto: NEODAAS

Arktische Stürme beeinflussen das Klima stärker als bislang berechnet. Wissenschaftler der beiden Universitäten von East Anglia (Großbritannien) sowie Massachusetts (USA) beziehen jetzt diese polaren Hurrikans in ihre Computermodelle zur Klimavorhersage ein. Im Fachblatt Nature Geoscience kommen sie zum Ergebnis: In Nordamerika und Europa wird es im 21. Jahrhundert kälter statt wärmer.

Sie sind kleiner als Tropenstürme, aber es sind waschechte Hurrikans: Sie besitzen ein „Auge“ im Zentrum ihres bis zu 500 Kilometer Durchmesser großen Wirbels. Der peitscht die See, lässt bis zu elf Meter hohe Brecher auftürmen, die kleinere schiffe kentern lassen und bis zu drei Tage lang über der See wüten. Skandinavien, Schottland oder Kanada bescheren die Stürme heftige Schneefälle.

 

Warmwasserheizung für Europa versiegt

 

Hunderte dieser Wirbel fegen jedes Jahr über den Nordatlantik. Früher berichteten oft Seeleute von ihrer Macht und Gefahr. Dennoch heißen sie unter Wissenschaftlern die „vergessenen Stürme“ (missing polar weather). Auf Satellitenbildern jedoch sind sie deutlich erkennbar.

Das ließ Ian Renfrew, Professor an der School of Environmental Sciences der University of East Anglia und Alan Condron von der University of Massachusetts genauer nach den Polar-Stürmen schauen. “Dutzende dieser Polarstürme sind jedes Jahr richtig groß”, weiß Renfrew, „sie werden bis heute aber in kaum einem Klimamodell mit berechnet.“

Renfrew und sein US-Kollege Condron wollten sehen, wie sich diese Stürme auf den atlantischen Wärmetransport auswirken. „Wer die Hurrikane und ihre Wirkung in den Computermodellen vergisst“, erklärt Condron, „wird nie zu korrekten Vorhersagen für die künftige Klimaentwicklung kommen können.“

 

Tiefdruckwirbel entziehen dem Warmwasser zusätzlich Energie

 

Dafür mussten sie ihr Rechenmodell verfeinern, um die vergleichsweise kleinen und daher bislang meist „vergessenen“ Stürme, mit zu berechnen. Daraus resultiert nun ein ganz neues und anders Bild der künftigen Klimaentwicklung: Durch das Abschmelzen des Polar-Eises werde der Weg für die Meeresströmungen weiter Richtung Norden frei, die Ströme fließen weiter in den Norden und kühlen ab.

Die Tiefdruckwirbel entziehen dem Meer zusätzlich dessen Wärme. Daraus nehmen die Stürme ihre Energie. Das kalte Wasser sinkt zu Boden und fließt wieder zurück in Richtung wärmeren Regionen in der Karibik. Dieser Wärmetransport schwächt sich nun immer mehr ab. Condron: „Unsere Simulationen zeigen, dass die Regionen, in denen das kältere Wasser nach unten sinkt, sich jährlich weiter ausdehnen. Das verringert die Richtung Europa transportierte Wärme.“

 

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