
Wieder einmal: Zwar gut gedacht – aber nicht gut gemacht“ Wissenschaftler der Universität in Bonn fanden bei Befragungen von Verbrauchern in elf Ländern Europas heraus, dass der Trend zu immer größeren Waschmaschinen zwar theoretisch umweltfreundlich wäre. In Wahrheit nutzen die Menschen ihre Mega-Maschinen aber falsch. Sie verpulvern damit Geld, Wasser und Energie – der Umwelt schadet das eher.
Haushalts- und Verfahrenstechniker Rainer Stamminger vom Institut für Landtechnik ließ seine Mitarbeiter in mehr als 4.800 Haushalten nachforschen. Richtig ist, dass zwischen 2002und 2014 die Größe neu gekaufter Waschautomaten durchschnittlich um 50 Prozent anstieg. Statt 5 Kilogramm Wäsche, passen heute 7,5 Kilogramm in die Trommel. Das könnte positive Umwelteffekte haben. Wasser- und Energieverbrauch optimieren sich mit diesen Mengen.
Verbraucher nutzen Umwelteffekt der Maschinen nicht aus
Stammingers Recherchen sind dagegen ernüchternd: „Erstaunlicherweise zeigte sich kein Zusammenhang zwischen Trommelgröße und Zahl der wöchentlichen Waschgänge“, schreibt der Professor über seine Studie. Egal, ob ein Vier-Personen-Haushalt eine Neun-Kilogramm-Maschine sein Eigen nennt oder ein Fünf-Kilogramm-Maschinchen: Im Schnitt waschen beide genauso häufig. „Wir vermuten, dass große Maschinen häufig halbleer laufen“, erklärt Stamminger. „Die Besitzer scheinen nicht so lange zu warten, bis sie genügend Wäsche haben, um die Trommel wirklich zu füllen.“
Paradox: Obwohl XXL-Geräte meist zu jenen mit den besten Angaben auf dem Energielabel zählen, schaden sie im Endeffekt möglicherweise der Umwelt.
Rainer Stamminger: „Waschmaschinen verbrauchen pro Kilogramm Wäsche dann am wenigsten, wenn die Trommel bis zum Rand befüllt ist.“ Ein halb beladenes Zehn-Kilogramm-Gerät verschlingt dagegen im Schnitt deutlich mehr Ressourcen als ein voll beladenes Fünf-Kilogramm-Gerät, rechnet der Experte vor. Schlimmer noch: Die schlechte Ausnutzung könne sogar die Effizienzgewinne der letzten Jahre wieder auffressen: „Wer sein kleines Altgerät behält, fährt damit eventuell besser als mit einem hochmodernen, aber zu großen Nachfolger“, betonen die Bonner Wissenschaftller.
Hersteller werben trotzdem für die Giga-Waschmaschinen
Die Hersteller schert die Erkenntnis offenbar kaum. Schließlich sei, so die Wissenschaftler, die Trommelgröße ein eingängiges Verkaufsargument – gerade in einem Markt, der so gut wie gesättigt ist. Eine große Maschine spare Waschgänge und Zeit. In die Groß-Trommel ließen sich sogar Stuhl-Polster stopfen. „Wenn dann noch das Stromsparargument dazu kommt, überlegt es sich mancher Verbraucher zweimal, ob er sein Altgerät wirklich behalten soll“, kommentieren die Forscher das Werbekonzept der Waschmaschinen-Bauer.
pit
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