
Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer ist vieles: Arzt, Autor.
Unternehmer. Der „Vater der Mikrotherapie“ ist global°-Beirat und Verfasser vieler Bestseller. Ein Vorkämpfer für die Synthese von Hightech-Schulmedizin und Naturheilkunde. Einer, der für das Teamwork der verschiedensten medizinischen Disziplinen genauso kämpft wie für die ganzheitliche Wahrnehmung von Körper, Seele und Geist – all das zum Wohle des Patienten. Doch der Freund einer „sprechenden und zuhörenden Medizin“, bei der der Arzt sich Zeit nimmt, nimmt auch sich selber immer wieder Zeit, wenn ihm etwas am Herzen liegt. Seit Oktober letzten Jahres nimmt sich der 60-Jährige, der auf so vielen Wegen unterwegs ist, viermal im Jahr zu christlichen Feiertagen Zeit für das ZDF-Format „Dietrich Grönemeyer – Leben ist mehr!“. Bewusst schaltet er einen Gang runter. Für mehr Ruhe und Reflexion. Für das Gespräch. Von Mensch zu Mensch.
Haben Sie je bereut, ein Format zu übernehmen, das nur bedingt mit Ihrem Fachgebiet, der Medizin, zu tun hat?
Grönemeyer: Nicht eine Sekunde. Bei „Leben ist mehr!“ führe ich genau das konsequent weiter, was mir als Arzt ja gerade so
wichtig ist: Ich spreche mit Menschen. Ich erfahre etwas über den Weg, den sie hinter sich haben, wie sie das Leben mit all seinen
Brüchen und Wendungen bewältigen. Ich bestaune ihre Kraftquellen und versuche, ihnen dabei zu helfen, sich selbst zu helfen. Dafür brauche ich weder die medizinische Diagnose noch Therapie. Jeder hat sein Leben auch selbst in der Hand. Und es fasziniert mich immer wieder, wie unglaublich stark die Menschen sind, die ich besuchen darf.
Organtransplantation, das späte Liebesglück, die zweite Chance, der harte Weg zurück aus dem Gefängnis oder aus der Obdachlosigkeit – Ihre Themen reichen weit.
Ich freue mich über das Leben in all seinen Formen. Die Kraft, die in vielen schlummert, ist immer wieder fantastisch. Für eine Folge habe ich Yuliya besucht. Yuliya hatte einen schlimmen Autounfall, der sie beinahe aus dem Leben riss. Sie fiel für zwei Monate ins Wachkoma und brauchte weitere fünf, um wieder normal sprechen zu können. Das Unglaubliche: Yuliya war zum Zeitpunkt des Unfalls schwanger, im zweiten Monat. Sie hat ihre Tochter Lena bekommen. Wenn Mutter und Tochter jetzt beisammen sind, grenzt das für mich an ein Wunder. Es gibt harte Schicksalsschläge – aber das ist kein Grund für Fatalismus. Man muss kämpfen, das Herz und das Leben in die Hand nehmen.
Leid und Freude lassen mich nicht kalt
Wenn der Dreh beendet und die Kamera aus ist, schalten auch Sie dann einfach ab?
Nein, wie denn? Wie soll mich so viel Leid, und mehr noch, so viel Freude kalt lassen? Auch wenn ich nur wenige Tage am Leben der Menschen teilhaben darf, so nehme ich sie doch in meinem Herzen mit. Wenn ein ehemaliger Drogensüchtiger mir mit Tränen in den Augen erzählt, dass sein verstorbener Vater immer bei ihm ist und hilft, berührt mich das sehr. Wenn ich erfahre, wie liebevoll Yuliyas Ehemann Miguel seine Frau im Wachkoma gepflegt hat, wie er nicht von ihrer Seite wich und ihr zurück ins Leben half, dann geht mir das nah.
Karfreitag, Christi Himmelfahrt, Reformationstag, Buß- und Bettag, Ihre Sendungen laufen nicht ohne Grund an christlichen Feiertagen.
Gerade diese Feiertage sind so wichtig für uns. Es sind Tage, an denen wir zur Ruhe kommen sollten, Tage der Besinnlichkeit. Ich hoffe, dass das, was mich berührt, auch die Zuschauer berührt. Denn nur im Miteinander können wir uns und denen helfen, die allein sind und sich vielleicht gerade schwach fühlen. Der schnellste Weg von Mensch zu Mensch sind ein Lächeln und eine Berührung.
Apropos Weg. Lebenswege ziehen sich wie ein roter Faden durch Ihre Beiträge. Sind Sie auch mal in einer Sackgasse gelandet?
Die meisten Menschen erzählen mir gern von sich. Vielleicht, weil ich ihnen einfach mal zuhöre. Aber viele, die ich besucht habe, sahen sich schon in Sackgassen. Doch alle haben sich wieder auf den Weg gemacht, den Weg Richtung Leben. Meine Devise war schon immer: Der Weg ist das Ziel. Weil ich daran glaube, versuche ich, den Menschen Mut zu machen, sich auch schon über Etappenziele zu freuen, nie aufzugeben.
Ich manipuliere nicht, ich mache Mut
Ratschläge sind auch Schläge, sagt man. Wie stehen Sie dazu?
Ich versuche nie, die Menschen zu manipulieren. Ich versuche nur, sie zu ermutigen, ihren Weg weiterzugehen. Trotz noch so großer Probleme: An jedem Tag beginnt das Leben neu. Und jeder sucht und findet andere Lösungswege. Dem einen hilft Sport. Dem anderen Naturverbundenheit. Viele brauchen erst mal Ruhe, um zu sich selbst und ihren Liebsten zu kommen. Ich kann nur für mich sprechen: Wer an sich selbst glaubt, wer etwas für sich tut – nicht nur für die anderen –, wer sich die Zeit auch nimmt, die ihm gegeben ist, und nie aufgibt, auch die Schönheit des Lebens zu genießen, der geht seinen Weg.
Das Zeitnehmen, Zuhören, Raumgeben, das ist Ihnen also nicht nur als Arzt wichtig?
Ganz genau. Ob mein Mitmensch im Rollstuhl, unter der Brücke oder im Gefängnis sitzt, ist erst mal egal. Mir geht es um die Menschen. Auch mit ihren Schwächen, ihrer Schuld, ihrem Leid.
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