
Kaum zehn Milligramm eines versteinerten Fingerknochens reichten den Forschern des Leipziger Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie schon: Aus den Fossilien entzifferten sie jetzt das komplette Genom unseres Urahnen aus der Denisova-Höhle im Altai-Gebirge. Die Fundstücke dieses frühen Hominiden, der vor etwa 30.000 Jahren zeitgleich wie der Neandertaler durch die Wälder und Berge Sibiriens streifte, hatten Wissenschaftler der russischen Akademie der Wissenschaften entdeckt. Die Leipziger MPI-Spezialisten enträtselten nun sein Erbgut.
Die Forscher um Svante Pääbo entwicklten dafür eine neue, hochempfindliche Technik. Damit konnten sie „jede Base innerhalb des Denisova-Genoms etwa 30 Mal zu lesen.“ Noch vor zwei Jahren konnten sie „jede Position im Durchschnitt nur etwa zweimal sequenzieren“, beschreiben die Leipziger ihren Fortschritt jetzt in ihrer Veröffentlichung über die Forschung. „Dieser Auflösungsgrad reichte zwar aus, um die Verwandtschaftsverhältnisse zwischen Denisova, Neandertalern und modernen Menschen zu ermitteln, nicht jedoch um die Evolution spezifischer Teile des Genoms genauer zu erforschen.“
Ihre neue Methode erlaubt es dagegen jetzt, „selbst die winzigen Unterschiede zwischen den Genkopien, welche dieses Individuum von seinem Vater beziehungsweise von seiner Mutter erbte, zu unterscheiden.“ Das ganze Genom stellen die MPI-Wissenschaftler nun im Netz der Öffentlichkeit zur Verfügung.

„Das Genom ist von sehr hoher Qualität“, sagt Matthias Meyer, der die Technologie entwickelte, die diese technische Errungenschaft erst ermöglichte. „Wir decken alle nicht-repetitiven Bereiche des Denisova-Genoms so viele Male ab, dass dieses Genom weniger Fehler enthält als die meisten bislang sequenzierten Genome heute lebender Menschen“, sagt er in einer Pressemeldung über seine Arbeit.
Uns weiter beschreiben die Forscher den Wert ihrer Arbeit: „Das Denisova-Genom ist das erste in so hoher Qualität vorliegende komplette Genom einer ausgestorbenen Menschenform und stellt einen immensen Fortschritt in der genetischen Erforschung der menschlichen Evolution dar. „Wir hoffen, dass Biologen dieses Genom nutzen werden, um genetische Veränderungen aufzuspüren, die für die Entwicklung moderner menschlicher Kultur und Technologie wichtig waren und die es dem modernen Menschen ermöglichten, vor etwa 100.000 Jahren in kurzer Zeit von Afrika ausgehend die gesamte Welt zu besiedeln“.
Sie gehen davon aus, dass das Genom auch neue Aspekte der Geschichte von Denisova-Menschen und Neandertalern offenlegen wird.
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