Joschka Fischer: ein grüner Popstar wird 65

Foto: wikimedia/Alexander Blum

Mit Taxischein und Turnschuhen kämpfte er sich von der Straße hinauf bis ins Amt des Außenministers. Joschka Fischer, Symbolfigur der grünen Bewegung wird 65 Jahre alt. Sein Werdegang ist einzigartig und umstritten – doch eins steht fest: Joschka Fischer verhalf der Öko- und Anti-Atom-Bewegung auf die politische Bühne und machte sie in Deutschland salonfähig.

 

„Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch!“ Geradewegs heraus - das war sein Motto. Entsetzen bei den alten Parlamentariern, an solche Umgangsformen mussten sie sich erstmal gewöhnen. Für weitere Furore sorgte Joschka Fischer bei seinem Amtsantritt 1985 als hessischer Staatsminister für Umwelt und Energie: In Turnschuhen und lässigen Jackett brach er mit den üblichen Garderobe-Regeln im Landtag.

 

Wie viele seiner Generation wollte er das konservativ geprägte Gesellschaftsbild aufrütteln. Dafür ging er mit 20 Jahren nach Frankfurt, jobbte als Taxifahrer und schloss sich der linksradikalen Gruppe Revolutionärer Kampf an. Um die Welt zu verbessern, schreckte Fischer auch vor militanten Aktionen innerhalb der sogenannten „Putzgruppe“ nicht zurück: „Ja, ich war militant.(...)Wir haben Steine geworfen“, gestand er 2001 in einem Interview der Zeitschrift Stern.

 

„Wie Gewalt die eigenen Gesichtszüge verzerrt“

 

Foto: wikimedia/Lothar Schaack

Doch die Ereignisse des Deutschen Herbstes 1977 haben ihn schließlich, nach eigenen Angaben, wachgerüttelt. Die Ermordung Hanns Martin Schleyers und die Entführung des Passagierflugzeugs Landshut – das ging auch für Fischer zu weit: „ Ich habe erkannt, wie Gewalt die eigenen Gesichtszüge verzerrt, selbst wenn man meint sie aus guten Gründen einsetzen zu können.“

 

Also wandte Joschka Fischer der radikalen Linken den Rücken zu und gründete mit Daniel Cohn-Bendit 1981 den Arbeitskreis Realpolitik. Ein Jahr später trat er der jungen Partei Die Grünen bei und mischte von Beginn wesentlich bei der Programmfindung mit. Als Vertreter der „Realos“ führte er heftige Debatten mit den „Ökos“ und „Fundis“. Demokratisierung, Friedenspolitik und Anti-Atom-Gesetze waren Ziele, für die er leidenschaftlich kämpfte. Auch wenn viele seiner Parteikollegen mit seinen pragmatischen Ansätzen nicht d’ accord waren, setzte sich Fischer prompt als Kandidat für die Bundestagswahlen 1983 durch. Von da an rannte der Hobby-Läufer im Affentempo die politische Karriereleiter empor.

 

Ab 1983 saß er als parlamentarischer Geschäftsführer mit in der ersten Bundestagsfraktion der Grünen. 1991 wurde er zum zweiten Mal hessischer Umweltminister in der rot-grünen Landesregierung. Zugleich war er der Stellvertreter des hessischen Ministerpräsidenten Hans Eichel. Drei Jahre später legte er in Hessen alle Ämter nieder und zog als Sprecher für die Grünen wieder in den Bundestag.

 

1998: Joschka Fischer – Vizekanzler Deutschlands

 

1998 war es dann soweit: Nach 16 Jahren musste die schwarz-gelbe Regierung unter Helmut Kohl sich in die Opposition zurückziehen. Rot-Grün kam an die Macht. Joschka Fischer wurde an der Seite des neuen Kanzlers Gerhard Schröder Außenminister und Vizekanzler. Nun war er ganz oben angekommen.

 

Heute ist der ehemalige Spitzenpolitiker als erfolgreicher Unternehmensberater unterwegs und unterstützt große Firmen, wie BMW bei der Entwicklung und Umsetzung von Nachhaltigkeitsstrategien. Seine Zeit in der Öffentlichkeit ist vorbei – er lebt lieber zurückgezogen. Auch seinen 65ten Geburtstag feiert er abseits der Scheinwerfer, im engen Familien- und Freundeskreis.

 

Revoluzzer, „Kampfschwein“, wie sich Fischer selbst bezeichnete, hitziger Redner, politischer Rock ’n’ Roller, Realpolitiker und grüner Popstar – Joschka Fischer, der Mann mit den vielen Gesichtern prägte von 1982 bis 2006 das Bild und die Politik seiner Partei. Mit ihm stiegen die Grünen auf und sind seitdem aus der deutschen Parteienlandschaft nicht mehr wegzudenken. Als Turnschuhminister und Vorkämpfer der ökologischen Bewegung geht Joschka Fischer in die Geschichte ein.

 

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