
Geschäft mit den Gutmenschen: Die Reisebranche entdeckt ihre soziale Ader. „Gutes tun auf Reisen wird 'schick'“, titelt eine Presseagentur über den Trend. Dann fügt sie kritisch an: „Anbieter erfüllen nur in wenigen Fällen Qualitätsstandards“.
Freiwilligendienste sind die neuen Renner auf dem Reisemarkt. Touren mit sozialem Mehrwert haben Konjunktur, berichtet jetzt Pressetext über die aktuellen Angebote zum Beginn der Saison.
Allerdings: Die Anbieter hielten sich diese Angebote nur vereinzelt an die die Qualitätskriterien professioneller Hilfsorganisationen.
Steigende Nachfrage für private Volunteering-Reiseangebote
„Zudem sind die Erwartungen von Reisenden, Anbietern und Partnerorganisationen in den Entwicklungsländern oft diametral entgegen gesetzt“, schreibt die Agentur über den Reisemarkt. Es sei daher dringend geboten, mehr Transparenz in die Angebote zu bringen und Standards der staatlich geregelten Freiwilligenarbeit in den boomenden „Voluntourismus“ zu übernehmen, fasst die Meldung das Ergebnis einer Podiumsdiskussion im österreichischen Wien zusammen.
Laut einer aktuellen Untersuchung von Tourism Watch - Brot für die Welt steige, so die Untersuchung, die Nachfrage nach Volunteering-Reiseangeboten seit 20 Jahren kontinuierlich. Während die staatlich geförderten und geregelten Freiwilligendienste in Deutschland, Österreich und der Schweiz bei 6.000 bis 7.000 Teilnehmern pro Jahr stagnieren, hätten sich die Zahlen bei kommerziellen und privaten Diensten zuletzt auf 15.000 bis 25.000 verdreifacht.
Studie: Viele Umsetzungsdefizite bei Angebot und Anbietern der Reisen
Für Antje Monshausen von Tourism Watch werfe das die Frage auf, wie Fehlverhalten verhindert werden könne. Obwohl Monshausen kommerzielle Angebote grundsätzlich begrüßt, ortet ihre Organisation eine Reihe von „Umsetzungsdefiziten“. Nur einer der 23 untersuchten Anbieter erfüllt derzeit Qualitätskriterien, die für staatliche Angebote gelten. Standards seien kaum vorhanden, etwa für eine qualifizierte Auswahl von Teilnehmern oder professionelle Vorbereitungsmaßnahmen, Preistransparenz und Informationen darüber, wie die aufnehmende (Partner-) Organisation honoriert wird. Verhaltensregeln für Freiwilligendienste fehlen, ebenso die Nachbearbeitung und unabhängige Prüfung der Nachhaltigkeitsbilanz. Es gebe auch erhebliche, teils schwerwiegende Defizite im Kinderschutz.
Mit Waisenhaus-Tourismus „kurz die Welt retten“: ein fataler Trugschluss
Hinzu kämen oft völlig unterschiedliche Vorstellungen von Reisenden und Anbietern sowie die fehlende Mitsprache der aufnehmenden Organisationen in den Entwicklungsländern. Vielfach würden kommerzielle und private Anbieter neokoloniale Klischees geradezu fördern. Es dürfe zu keinem „Waisenhaus-Tourismus“ kommen, warnte die Expertin.
Das Missverständnis beginne, schreibt Pressetext über die Diskussion bereits damit, dass „Kunden von Volunteering-Angeboten glauben, auf einer zweiwöchigen Urlaubsreise in ein Entwicklungsland tatsächlich etwas bewirken zu können und den Menschen dort etwas Gutes zu tun“. So interessant das Geschäftsmodell klinge, so unrealistisch seien solche Erwartungen - abgesehen davon, dass fehlende Transparenz in der Kommunikation und in der Vorbereitung zu Enttäuschungen führen und vieles ethisch nicht zu rechtfertigen sei.
red
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