Verbraucherschutz: Pflanzengift in Kamille-Tee

Tee-Zeremonie Foto: flickr/Gache Wurzn

Kräuterfeen schwören darauf: Seit Jahrhunderten gilt ein Aufguss mit den Blüten der Echten Kamille (Matricaria chamomilla) als wohltuend und heilend. Natur-Kundige setzen Kamilletee als sanftes Naturheilmittel erfolgreich gegen Entzündungen, gegen Blähungen oder zur Lösung von Krämpfen ein. Daher schlagen aktuelle Warnungen von Verbraucherschützern jetzt wie eine Bombe ein: „In 10 von 15 Kamillentee-Sorten konnten sogenannte Pyrrolizidinalkaloide (PAs) nachgewiesen werden - teilweise in geringen, aber auch in hohen Mengen“, berichtet das ZDF-Magazin „Wiso“.

Schon vor Jahresfrist hatte auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in verschiedenen Kräutertees „hohe Dosen potenziell giftiger und krebserregender PAs“ entdeckt.

Pyrrolizidinalkaloide sind sekundäre Inhaltsstoffe der Pflanzen. Wissenschaftler kennen über 6.000 Pflanzenarten, die solche PAs produzieren: Sie helfen ihnen, sich gegen Fressfeinde zu wehren und so die Art vor dem Aussterben zu bewahren. Nach Auffassung der BfR-Experten bestehe auch kaum Gefahr, dass Tee-Trinker sich an den PAs vergiften. Die Spezialisten aber warnen Viel-Trinker dennoch: „Der langfristige Genuss überdurchschnittlich großer Mengen könne vor allem für Kinder, Schwangere und Stillende riskant sein“, zitiert sie eine Tageszeitung.

 

Kein Grenzwert für PAs in Lebensmitteln

 

Die Crux: Es gibt keinen gesetzlichen Grenzwert für Pyrrolizidinalkaloide für Lebens- oder Futtermittel. Der gilt nur für Arznei. Tees sind davon ausgenommen, da sie nicht Medikament eingestuft sind. „Da sich einige dieser Stoffe im Tierversuch aber als krebserregend und leberschädigend zeigten“, beurteilen die Verbraucher-Redakteure der Berliner taz die Pyrrolizidinalkaloide dennoch skeptisch: Die Belastung der Lebensmittel sollte so niedrig wie möglich gehalten werden. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt seit Jahren vor den gefährlichen Langzeitfolgen dieses Stoffes selbst bei niedriger Dosierung, begründet das ZDF seine Reportage über die PAs in Kamillentee.

 

Tee wird immer mehr zum Lifestyle-Getränk

 

Das BfR will daher Tees vor dem Verkauf besser kontrollieren. Die Tee-Hersteller nämlich könnten zu hohe Pyrrolizidinalkaloid-Konzentrationen vermeiden. Denn nicht die Kamille selbst produziert die gefährlichen Stoffe. Sie stecken in Unkräutern, die auf dem selben Acker wachsen und sich bei der Ernte unter die Kamille mischen.

Der Deutsche Teeverband in Hamburg gibt derweil Entwarnung. Teetrinker könnten problemlos auf andere Sorten ausweichen und damit allzu hohe Belastungen durch PAs in einer Sorte dämpfen. Für die Tee-Branche kommen die Meldungen über Gift im Tee ungelegen. Die Kräuter-Aufgüsse avancierten in jüngster Zeit gerade erst zu echten Mode-Getränken in Deutschland: 2012 konsumierten die Verbraucher knapp 19.000 Tonnen, das sind rund 27 Liter pro Kopf.


pit

 

Lesen Sie auch:

Frühstück ohne Kaffee undenkbar

Schokolade hilft bei Husten

Gegen Krebs ist ein Kraut gewachsen

 

Foto: Screenshot ZDF

Most Wantes

Sarah Baker Foto: LLL/flickr CC

Hoffnung für den Klimaschutz

Wissenschaftler am Lawrence Livermore Forschungslabor haben nicht nur den Schlüssel gefunden, mit...


Foto: Pixabay CC/PublicDomain/Pexels

Kehrseite des Sportevents: Tonnenweise Essensmüll

Superbowl: In der Nacht des Football-Endspiels der besten Teams verzehren die Zuschauer – im...


Foto: Pixabay CC/PublicDomain/Arek Socha

Neuer Ansatz für Ökoenergie: Strom aus Wassertropfen

Neue, Idee für die Energiewende: Wissenschaftler der City University Hongkong entwickelten einen...


Neu im global° blog

Foto: Pressenza (CC BY 4.0)

Atomwaffen verstoßen gegen das Recht auf Leben

Die Organisationen IALANA, IPPNW und ICAN weisen anlässlich des Tages der Menschenrechte auf den...


Foto: ZDF / Martin Kaeswurm

"Schattenmacht Blackrock"

Der amerikanische Finanzinvestor Blackrock verwaltet im Auftrag seiner Kunden über sechs Billionen...


Screenshot: gunther-moll.de

Die Botschaft

Eine lebenswerte Zukunft im Einklang mit der Natur ist auf diesem Planeten möglich, wenn wir uns...


Folgen Sie uns: