
Nachhaltige Mode: Auch bei der Kleidungsproduktion auf Umwelt, Klima oder soziale Gerechtigkeit zu achten, fordern immer mehr Kunden. Ein Trend, der auch für Trachtenmode gilt. Im Interview mit global° beschreibt der Chef des Münchner Dirndl-Schneiders Angermaier, Axel Munz, die größten Schwierigkeiten und Chancen.
Mode und Nachhaltigkeit galt bislang als eher schwieriges Thema: Warum wagen Sie sich ran?
Dr. Axel Munz: Nachhaltigkeit ist gerade mehr denn je ein aktuelles Thema und liegt mir selbst sehr am Herzen. Trachten und Nachhaltigkeit gehören zusammen – das ist etwas Natürliches, Ursprüngliches, Traditionelles. Wir haben schon immer bewusst auf umweltschonende Materialien gesetzt. Seit über 10 Jahren verpflichten wir unsere Lieferanten, Webereien und Gerbereien zu Corporate Social Responsibility und fairem Handel.
Sie entwickelten Jahre an der Kollektion: Was war dabei die größte Hürde?
Die Schwierigkeit lag darin, dass die Stoffauswahl beschränkt war. Also haben wir uns selbst auf den Weg gemacht, in Zusammenarbeit mit Webereien eigene Stoffe entwickelt und diese nach Ökotex Standards herstellen lassen. Ebenso war es nicht einfach, geeignete zertifizierte Zubehör-Hersteller zu finden, beispielsweise für Fäden, Bänder, Knöpfe usw.
Welche Aspekte sind Angermaier dabei wichtig?
Mode mit gutem Gewissen zu kreieren ist uns ein großes Anliegen. Uns war schon immer sehr wichtig, mit umwelt- und gesundheitsschonenden Materialien zu arbeiten. Mit der Ökozertifizierung sind wir jetzt noch einen Schritt weiter. Uns ist wichtig, dass wirklich jedes Stück komplett öko-tex zertifiziert ist und das haben wir geschafft!
Wo finden Sie ihre (Roh-)Stoffe, wer schneidert wo für Sie?
In der Kollektion zu finden sind nachhaltige Materialien wie Baumwolle, Leinen oder Rhabarberleder. Die Häute werden mit umweltfreundlichen, zertifizierten zugelassenen Farben – und schlussendlich mit Extrakten aus der Rhabarberwurzel in deutschen Traditionsunternehmen gegerbt. Die Kollektion wird in Europa produziert.
Ökomode hatte früher oft einen eher biederen Touch: Stört das?
Früher bieder – heute total in. Modetrends werden ständig neu definiert. Wir verstehen uns grundsätzlich als Vorreiter in der Trachtenbranche. Und jetzt war es auch bei Trachten Zeit für eine nachhaltige Kollektion.
pit
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