
Youngstown im Bundesstaat Ohio ist eine erdbebensichere Stadt. Noch nie schlugen hier die Seismografen aus – jedenfalls nicht seit 1776, dem Beginn der ersten Aufzeichnungen. Seit Januar 2011 können sich die Youngstowner jedoch mit rekordverdächtigen Zahlen „schmücken“: 109 Erdbeben innerhalb eines Jahres! „Schwung in die Bude“ brachte die Fracking-Industrie.
Northstar 1, ein knapp drei Kilometer tiefes Bohrloch bei Youngstown: Im Dezember 2010 pumpten Fracking-Konzerne erstmals ihr Abwasser in die Erde. Nur 13 Tage später maßen Seismografen in und um Youngstown erste Bodenerschütterungen. Won-Young Kim, Wissenschaftler an der Columbia University nahm die merkwürdigen Veränderungen genauer unter die Lupe. Sein Ergebnis: Northstar 1 ist für die Erdbeben verantwortlich.
Im Juli 2013 erschien seine Studie im Journal of Geophysical Research. Sie zeigt eine direkte Verbindung zwischen der Häufigkeit und Intensität der Erdbeben und den Aktivitäten in Northstar 1. Je mehr Abwasser die Fracking-Industrie in Northstar 1 in die Erde presste, desto heftiger wackelte dort der Boden. Hingegen war es zu Ferienzeiten oder bei Betriebspausen auch unter der Erde ruhig.
Ein radioaktiver Schwermetall-Cocktail in drei Kilometer Tiefe

Innerhalb eines Jahres zeichnete Won-Young Kim über 100 Erdbeben auf, an die 12 pro Monat. Davon überschritten 12 Beben die Stärke 1,8 auf der Richter-Skala. Als die Anwohner die Beben sogar an eigenem Leibe spürten – „während den 14 Monaten seismischer Untersuchungen gab es sechs fühlbare Beben“, so Won-Young Kim – schritt das Ohio Department of Natural Resources ein: Die Fracking-Konzerne mussten die Einspritzungen ihres Flowback beenden.
Ende Dezember 2011 pressten sie zum letzten Mal hochgiftigen Müll in die Tiefe: Laut dem amerikanischen Online-Magazin grist insgesamt 495.622 Barrel radioaktives und mit Schwermetallen verseuchtes Abwasser. Mehr als genug – nach der letzten Abwasser-Beseitigung zeigten die Messgeräte am 31. Dezember 2011 sogar eine Stärke von 3,9 auf der Richter-Skala an.
Nach Abzug der Fracking-Firmen, kehrte auch in und um Youngstown wieder Ruhe ein. Seismografen und Böden schlummern seitdem.
CFE
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