
Schutz vor zu viel Pestiziden: Mit einer Abgabe auf Pflanzenschutzmittel, wollen die Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) den weiter steigenden Gebrauch der für Umwelt und die menschliche Gesundheit problematischen Chemikalien eindämmen.
Die Experten untersuchten die regulierende Wirkung einer Pestizid-Abgabe im Auftrag desMinisteriums für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume in Schleswig-Holstein.
Schutz für Pflanzen birgt oft Gefahr für Menschen und Umwelt
Hintergrund der Studie: „ Pflanzenschutzmittel wie Herbizide, Fungizide, Insektizide und Wachstumsregler sind wichtige Hilfsmittel, um Kulturpflanzen und deren Erzeugnisse vor schädlichen Organismen zu schützen“, so die Wissenschaftler. Sie werden vor allem in der Land- und Forstwirtschaft, aber auch an Gleisanlagen, auf Wegen und Plätzen oder in Kleingärten verwendet.
Pflanzenschutzmittel und ihre Abbauprodukte können die Qualität von Böden, Gewässern und Habitaten verschlechtern sowie die Gesundheit der Anwender und Verbraucher beeinträchtigen. Welche Kosten für die Gesellschaft hierdurch entstehen, lässt sich nur schwer konkret beziffern. Denn es existieren keine Marktwerte und bestimmte Folgen – etwa der Rückgang von Bodenfruchtbarkeit und Erträgen, der Verlust von Bienenvölkern oder Erkrankungen von Menschen und Tieren – sind oft nicht eindeutig dem Pflanzenschutzmittel-Einsatz zurechenbar.
Ziel der Abgabe: Pestizid-Anwender an Folgekosten beteiligen
Zahlen: 2014 kauften Anwender in Deutschland über 100.000 Tonnen Pflanzenschutzmittel mit knapp 35.000 Tonnen Wirkstoffen. Seit dem Jahr 2000 sei, so die Wissenschaftler, „der Absatz der Mittel erkennbar angestiegen“.
Folgen: „Neben den gewünschten Wirkungen treten zunehmend unerwünschte Wirkungen auf Umwelt und Gesundheit zu Tage“, kommentieren die Wissenschaftler diese Entwicklung. Ihre Studie zeigt nun, „wie der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln durch ökonomische Anreize gezielt verringert und Anwender an den externen Kosten beteiligt werden könnten“. Dänemark, Frankreich und Schweden nutzen eine solche Regulierung bereits heute.
EU-Recht verlangt Minimierung von Pestiziden
Rechtslage: Europäisches Recht (EU-Pestizidrahmen-Richtlinie 2009/128 und EU-Wasserrahmen-Richtlinie 2000/60) verlangt laut der Studie nicht nur, den Einsatz von Pestiziden zu reduzieren, sondern auch deren Eintrag in die Umwelt zu minimieren und die Nutzer an den gesellschaftlichen Kosten zu beteiligen. Die seit 2014 verbindlichen Grundsätze des integrierten Pflanzenschutzes verlangten auch, dass Pflanzenschutzmittel nur bei fehlenden Alternativen und fachlicher Notwendigkeit eingesetzt werden dürfen.
Auch die Bundesregierung setze sich, so die Wissenschaftler, mit dem Nationalen Aktionsplan zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln (NAP) ehrgeizige Ziele: Sie will die Risiken, die die Anwendung der Mittel für den Naturhaushalt mit sich bringe, bis 2023 um 30 Prozent reduzieren und die Risiken für Verbraucher, Anwender und Anwohner weiter minimieren.
Abgabe auf Pestizide fördert Alternativen
Lösung: Eine Abgabe auf Pflanzenschutzmittel kann nach Meinung der UFZ-Experten bei ausreichender Höhe ihren Einsatz mengenmäßig dämpfen, das Risiko für Mensch und Umwelt verringern und so die notwendige Trendumkehr bzgl. des Einsatzes von Pestiziden einleiten (Lenkungswirkung). Zu den Lenkungseffekten zählen nicht nur kurzfristige Substitutions-, sondern auch langfristige Markt- und Preiswirkungen bei Agrarprodukten. Diese können über einen permanenten Strukturwandel und das Auffinden neuartiger Lösungen eine weitere Reduzierung anregen.
red
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