21.05.2015
Die größte Bedrohung für die Artenvielfalt in Fließgewässern geht vom Landnutzungswandel aus. Wissenschaftler des Senckenberg Forschungszentrums Biodiversität und Klima sowie des Forschungsinstituts Senckenberg in Gelnhausen fanden anhand von Zukunftsmodellen heraus, dass der Klimawandel nicht die Hauptursache für den Verlust der Artenvielfalt in Fließgewässern ist.
Die Ergebnisse der Studie verlangen nach einer Anpassung der Schutzkonzepte für diese wertvollen Ökosysteme.
Wertvoll, artenreich und höchst sensibel
Im naturnahen Zustand beherbergen Bäche und Flüsse eine Vielzahl an Lebewesen, obwohl sie nur einen geringen Prozentsatz der Landfläche bedecken. Somit gehören die dynamischsten Lebensräume der Erde auch zu den wertvollsten.
„Doch Fließgewässer sind gleichzeitig die gefährdesten Ökosysteme weltweit. Wie kein anderer Lebensraum reagieren sie besonders sensibel auf Umweltveränderungen“, warnt Mathias Kuemmerlen von der Abteilung für Fließgewässerökologie und Naturschutzforschung des Forschungsinstituts Senckenberg in Gelnhausen.
Gemeinsam mit chinesischen und deutschen Kollegen hat der Biologe in Südchina Fließgewässer, die zum Einzugsgebiet des Jangtsekiang-Flusses gehören, untersucht.
„Wir haben erstmals die Artenvielfalt in Verbindung mit dem Wandel der Landnutzung für die Zukunft modelliert“, erklärt Sonja Jähnig, die am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin forscht und die Studie initiiert hat.
„Biodiversitätsverlust wird sehr häufig in Bezug auf den globalen Klimawandel untersucht. Weitere wichtige anthropogene Einflüsse auf die Umwelt, wie der Wandel der Landnutzung, werden dabei oft vernachlässigt.“
Modell für die Zukunft fordert Konsequenzen in der Gegenwart
Das Wissenschaftlerteam modellierte für die Jahre 2021 bis 2050 drei verschiedene Szenarien für die Entwicklung von in Bächen und Flüssen lebenden Makroinvertebraten (Tiere ohne Wirbelsäule, welche mit dem bloßen Auge sichtbar sind): Die Änderung des Klimas, ein Wandel der Landnutzung und ein kombiniertes Klima- und Landnutzungswandel Modell.
„Artenübergreifend lässt sich sagen, dass der Wandel der Landnutzung den stärksten negativen Effekt auf die Artenvielfalt in Fließgewässern hat, in diesem Modell nahm die lokale Biodiversität um 20 Prozent ab“, erläutert Mathias Kuemmerlen.
In den Modellen der Wissenschaftler ist der Klimawandel somit in der Auswirkung auf die Biodiversität in strömenden Gewässern eher zweitrangig. Mathias Kuemmerlen erklärt: „Fließgewässer stehen in einem sehr engen Zusammenhang mit der Landschaft im Einzugsgebiet. Die Artengemeinschaft wird daher sehr stark von der Landnutzung beeinflusst.“ Weiterhin zeigen die Modellergebnisse, dass Landnutzungs- und Klimawandel zusammen eine allgemeine Minderung der lokalen Artenvielfalt verursachen könnten.
Die Ergebnisse zeigen, dass sowohl Änderungen im globalen Klima als auch bei der Landnutzung von Nöten sind, um die Artenvielfalt zu erhalten. CDC
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