
Der Friedhof als Ort vielfältigen Lebens: Das Projekt „Biodiversität auf kirchlichen Friedhöfen“ vom Haus kirchlicher Dienste der hannoverschen Landeskirche will Gottesäcker systematisch ökologisch aufwerten und die biologische Vielfalt steigern. Dafür gab es jetzt die Auszeichnung der UN-Dekade Biologische Vielfalt.
Immer mehr Menschen suchen ihre letzte Ruhestätte in naturnaher Umgebung. Dies Bedürfnis führt zu ständigen Neugründungen von Bestattungswäldern. Weil zudem auch der Trend zu Feuerbestattungen anhält, sinkt die Flächennachfrage auf Friedhöfen - obwohl die Sterbezahlen, auch durch die stetig älter werdende Bevölkerung, steigen.
Friedhöfe als Modelle ökologischer Flächenbewirtschaftung
Das stellt Friedhofbetreiber vor neue Herausforderungen. Die ökologische Aufwertung und die ökonomische Zukunftsfähigkeit gehen dabei Hand in Hand. Naturnahe Umgestaltung von Wegen und Flächen senkt den Unterhaltungsaufwand und steigert die Attraktivität der Areale, die vor allem in den Städten oft auch als Parks und grüne Zonen in der urbanen Umgebung dienen und von vielen Menschen als Ruhezonen genutzt werden.
Diese veränderte Friedhofskultur öffnet neue Chancen: Naturnah gestaltete Gräber und Freiflächen sind nicht nur artenreicher und attraktiver; sie können auch die Kosten für die Pflege senken.
Friedhof - Ort der Artenvielfalt
Gleichzeitig steigt die Artenvielfalt auf den Friedhöfen. Der Ansatz integriert die ökologische Umgestaltung von Friedhöfen in ein umfassendes Umwelt-Managementsystem und berücksichtigt dabei auch ökonomische Interessen. Die Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover ist für ihr Engagement um den Erhalt der Biodiversität auf ihren Friedhöfen daher jetzt zum UN-Dekade-Projekt ernannt worden. Das Projekt „Biodiversität auf kirchlichen Friedhöfen“ richtet sich mit Beratung und mehrtägigen Schulungen an Friedhöfe der Hannoverschen Landeskirche. Es unterstützt zunächst 16 Modellgemeinden beim Aufbau eines Umwelt-Managementsystems. Dabei werden ungenutzte Freiflächen (Überhangflächen) kostengünstig integriert und gemeinsam mit Naturschutzexperten und Ehrenamtlichen ökologisch aufgewertet.
Die Kartierungen und Biotop-Bewertungen der Friedhöfe finden in Kooperation mit verschiedenen Universitäten statt. Außerdem ist das Projekt mit dem Umwelt-Managementsystem „Grüner Hahn“ der Landeskirche Hannover verknüpft. Über das Netzwerk der Evangelischen Kirchen Deutschlands ist eine bundesweite Breitenwirkung zu erwarten.
„Friedhöfe bilden in Deutschland interessante Naturräume, die wertvolle Mosaiksteine für die Vernetzung von Lebensräumen bieten können, wenn der biologischen Vielfalt Raum gelassen wird. Die Initiative ’Biodiversität auf kirchlichen Friedhöfen’ trägt mit seinem Schulungs- und Beratungsangebot in vorbildlicher Weise dazu bei, die notwendigen Kompetenzen zu verbreiten, damit die Naturvielfalt im Management von Friedhöfen Berücksichtigung findet. Ich freue mich daher, dieses Vorhaben als Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt auszeichnen zu können“, betont Karl-Heinz Erdmann vom Bundesamt für Naturschutz.
red
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