Bayern will Hochwasserschutz verdoppeln

Aufatmen in Passau, Regensburg und Co.? Zumindest ist es für den bayerischen Hochwasserschutz nicht die schlechteste Nachricht, dass das Bundesland sein Budget verdoppeln will. Statt 115 sollen laut Süddeutscher Zeitung zwischen 210 und 235 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung stehen, um die dritte Jahrhundertflut innerhalb von nur zwei Jahrzehnten zu verhindern.

 

Der BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) begrüßte den Vorstoß aus dem Freistaat und setzt darauf, dass sich auch die Mittel für die ökologische Hochwasserprävention verdoppeln werden. Er forderte andere Bundesländer sowie die Bundesregierung zum Gleichziehen auf. „Rückdeichungen bringen mehr als Deicherhöhungen. Die Flutung neuer Auen senkt den Pegel. Viele Schäden lassen sich so verhindern“, unterstrich der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger die Bedeutung des „natürlichen“ gegenüber dem technischen Hochwasserschutz.

 

Foto: Wikimedia commons/Lukas Friese

Das Rückdeichungsprojekt an der Elbe im brandenburgischen Lenzen verdeutlicht dies eindrucksvoll: 420 Hektar mehr Flussraum führten laut BUND-Flussexperte Winfried Lücking zu 35 Zentimeter niedrigeren Hochwasserspitzen als zuvor. Laut FAZ wurden seit 2002 erst in vier von 15 geplanten Städten Rückdeichungen vorgenommen.

 

“Stunde der Wahrheit“ am 18. Juni

 

Weiger forderte daher, das Fünf-Punkte-Hochwasserschutzprogramm, das die Bundesregierung 2002 aus dringendem Anlass vorgelegt hatte, endlich umzusetzen. Dessen oberster Punkt: den Flüssen mehr Raum geben – durch Auenrenaturierung, Deichrückverlegung, periodische Flutung von Entlastungspoldern, Entgradigung von Flüssen und weniger Versiegelung. „Überflutungsflächen müssen konsequent als solche ausgewiesen werden und dürfen nicht Wohn- oder Wirtschaftszwecken dienen. Außerdem müssen Feuchtgebiete und Moore am gesamten Lauf der Flüsse renaturiert werden“, ergänzt Weiger.

 

Das meiste davon ist bislang nicht umgesetzt: Das „gemeinsame Hochwasserschutzprogramm von Bund und Ländern“ etwa sei nach wie vor Utopie, da sich der Staat fein heraushalte, so Lücking auf Anfrage von global°. „Außerdem ist die Ausnahmeregelung zur Bebauung von Auen zur Regel geworden und die bisherigen Maßnahmen zur Entgradigung der großen Bundeswasserstraßen sind kaum der Rede wert“, fügte er hinzu.

 

Am Dienstag, den 18. Juni, stellt Landesumweltminister Marcel Huber das neue „Aktionsprogramm 2020plus“ im bayerischen Kabinett vor. Dann wird sich zeigen, wie viel Geld wirklich in den ökologischen Hochwasserschutz fließen wird. NISO

 

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