Südafrikanische Buntbarsche adoptieren Kinder- was auf den ersten Blick überhaupt keinen Sinn macht. Adoption ist per Defintion von Richard Dawkins kein zweischneidiges Schwert, sondern eine glasklare Sache: Sie ist nicht nur ein Hindernis für die eigene Fortpflanzung, sondern fördert auch noch die anderer. Aus Sicht der Evolution also gleich doppelter Kokolores.
Auf den ersten Blick. Franziska Schaedelin und ihre Kollegen vom Konrad-Lorenz-Institut der Veterinärmedizinischen Universität Wien riskierten einen zweiten- und kamen unter der Wasseroberfläche des südafrikanischen Tanganyika-Sees zu erstaunlichen Erkenntnissen.

Gemischte Brut in den Nestern
Die Buntbarsche der Art Neolamprologus caudopunctatus sind monogam und legen ihre Eier zum Schutz vor Räubern in selbst gebauten Nestern ab. Dennoch sind die Fische stark gefährdet- und haben sich deshalb eine zusätzliche Strategie einfallen lassen. Durch Genanalysen fanden die Forscher heraus, dass die Fischbrut in den verschiedenen Nestern am Seegrund nicht immer von den gleichen Eltern stammte, sondern „gemischt“ war.
Aber warum? Die Erklärung scheint verblüffend einfach: „Bei so hoch gefährdeten Fischarten war es offensichtlich wichtig, eine Strategie zu entwickeln, die sicherstellt, dass wenigstens einige der Jungen überleben. Also werden sie nicht alle in einen Topf geworfen“, fasst Franziska Schaedelin die Ergebnisse der im Fachblatt Behavioral Ecology veröffentlichten Studie zusammen.
Transport via Fischtaxi
Im Klartext: Wird ein Fischnest komplett ausgeräubert, sind nicht gleich alle Jungen- und damit Gene der kommenden Generation- ausgelöscht, sondern nur ein paar. Da vor allem die kleinen Fische das Lieblingsopfer potentieller Räuber sind, greifen die Barsche zu einem weiteren Trick: Der adoptierte Nachwuchs ist niemals größer als der eigene, sondern meist etwa gleich groß.
Bliebe noch die Transportfrage zu klären: Wie gelangen die Jungen vom einen Nest ins andere? Die Nester der Jungen waren bis zu 40 Meter von denen der „richtigen“ Eltern entfernt- eine Entfernung, die die Kleinen schwerlich alleine hätten überwinden können, ohne dabei gefressen zu werden. Auch hier waren die Barsche kreativ und erfanden das Fischtaxi: Sie trage ihre Sprösslinge einfach im Maul von einem Ort zum andern.
Und überlassen sie am Ziel ihren „Pflegeeltern“. Kurios: Nach den Erkenntnissen der Studie besteht die besondere Fürsorge der Buntbarsche also darin, ihren Nachwuchs zur Adoption frei zu geben. NISO
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