
Aus für Delfinarien in Duisburg und Nürnberg? Mitte März sprach sich die Parlamentsfraktion der Grünen für ein Haltungsverbot von Delfinen in Deutschland aus. Grund: Ein artgerechtes Leben der Meeressäuger sei hierzulande nicht möglich. Am 15. Mai befasste sich der Bundestagsausschuss „Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz“ mit dem Thema.
Konkret ging es um die Forderung, „das Halten von Delfinen zu untersagen sowie deren Einfuhr zu verbieten und die Zulassung neuer Haltungen an den Nachweis artgerechter baulicher Anlagen zu binden.“ Antragsteller Jürgen Trittin und Renate Künast hatten sich unter anderem auf ein Gutachten des Biologen Christian Schulze an der Ruhr-Universität Bochum berufen. Dieser stellte in seiner Stellungnahme zum derzeit gültigen „Säugetiergutachten“ (Stand 1996) klar: „Ein artgerechtes Becken muss mindestens 850 bis 900 Meter lang sein, damit die Tiere wenigstens eine Minute geradeaus schwimmen können.“ Dies ist weder in Duisburg noch in Nürnberg der Fall. Das Säugetiergutachten empfiehlt lediglich eine Mindest-Wasserfläche von nur 400 Quadratmetern für fünf ausgewachsene Tiere.
Tierschutz versus Naturbildung?
In der Ausschussdebatte vom 15. Mai ging es kontrovers zu: „Wir reden über 16 Delfine in Deutschland, die einen großen Beitrag dazu leisten, dass man über diese Tiere spricht“, sprach sich Dr. Thomas Kauffels, Direktor des Kronberger Opel-Zoos klar für die Haltung der Großen Tümmler aus. Rückendeckung erhielt er von Dr. Cornelis Erik van Elk. „Unsere Kinder brauchen Zoos, um Tiere kennenzulernen und dann schützen zu wollen“, so der Niederländer vom Delfinarium Haderwijk.
Aggressionen unter den Tieren, die Psychopharmaka-Einsatz nach sich zögen, nicht-artgerechte Haltungsbedingungen sowie unzureichende Transparenz mahnten hingegen Dr. Karsten Brensing (Whale and Dolphin Conservation Society, WDCS), Philip Loos (Wal- und Delfinschutz-Forum, WDSF) sowie Sandra Altherr (Pro Wildlife e.V.) an. Politische Gründe und Willkür vermutete der Nürnberger Zoodirektor Dag Encke hinter dem Grünen-Antrag.
“Tierschutz nicht nach Kassenlage“
Für den Duisburger Zoo würde das Haltungsverbot finanzielle Einbußen mit sich bringen - das Delfinarium ist sein "Aushängeschild". Daher stößt der Antrag der Grünen auch bei den Parteikollegen in NRW nicht überall auf Gegenliebe. „Aber Tierschutz geht nun mal nicht nach Kassenlage“, betonte Undine Kurth, Sprecherin für Tier- und Naturschutz der Grünen-Bundestagsfraktion gegenüber der Zeitung Der Westen.
Am 5. Juni 2013 wird sich voraussichtlich entscheiden, ob der Grünen-Antrag den Weg aus dem Ausschuss in den gesamten Bundestag schafft.
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