DUH-Kongress: Städte sollen „wilder“ werden

Englischer Garten München Foto: Wikimedia CC 2.0/Lux Tonnere

Mehr naturnahe Flächen in Städten forderten jetzt dieDeutsche Umwelthilfe (DUH) sowie 70 Kongressteilnehmer, die über Potenziale zur Förderung der biologischen Vielfalt und von Naturerlebnisräumen in Ballungszentren bei ihrer Fachtagung „Perspektiven für Wildnis in der Stadt“ in Frankfurt am Main debattierten.

Der Kongress war Abschluss eines zweieinhalbjährigen Projekts „Wildnis in der Stadt“. Die DUH hatte es organisiert, die Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) hatte es bezahlt, weil naturnähere und wildere Grünflächen in Städten nicht nur die biologische Vielfalt unterstützen, sondern auch den Menschen in Ballungszentren als Naturerlebnisräume dienen.

 

65 Prozent der Deutschen wünschen sich „wilde“ Natur

 

In Modellstädten wie Arnsberg, Gelsenkirchen, Leipzig und Berlin-Spandau zeigte der Umweltschutzverband dabei, wie Wildnis in der Stadt erfolgreich etabliert und kommuniziert werden kann. „Die Umsetzung der 2007 von der Bundesregierung beschlossenen Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt kommt nur sehr schleppend voran“, begründet DUH-Geschäftsführer Sascha Müller-Kraenner das Projekt. „Wir wollen die Städte ermutigen, auf mindestens zwei Prozent ihrer Grünflächen naturnäher und wilder zu werden und damit einen stärkeren Beitrag zum Erhalt der Biodiversität zu leisten.“ Dies käme, so der Verband, dem Wunsch vieler Menschen nach: In der Naturbewusstseinsstudie von 2013 sagten 65 Prozent der Befragten, dass sie Natur umso schöner fänden, je wilder sie sei.

 

Wildnis bringt auch mehr Lebensqualität in die Stadt

 

Städte verfügten bereits über eine „grüne Infrastruktur“. Ihre Parks und Gärten, das Grün an Straßen und Fassaden, Bäume und Hecken, Flüsse und Seen sowie Waldbereiche bieten attraktive Lebensräume für verschiedenste Tier und Pflanzenarten. „Durch die Förderung von mehr „urbaner Wildnis“ kann dieses Potenzial weiter ausgeschöpft und die biologische Vielfalt einer Stadt erweitert werden“, betont Ulrich Stöcker als Leiter des DUH-Naturschutz. Eine grünere und wildere Umgebung trage zudem zu mehr Wohlbefinden und Lebensqualität der Bewohner bei.

Im Gegensatz zu gepflegten Park- und Grünanlagen zeichnet sich „urbane Wildnis“ nach Ansicht des Verbands dadurch aus, dass der Mensch auf den Flächen so wenig wie möglich eingreift. „Urbane Wildnis“ aber sei kein Selbstläufer. „Beachtet werden müssen auch konkurrierende Nutzungsvorstellungen der Anwohner oder Bedenken in Bezug auf Platzmangel in Ballungszentren“, wissen die Naturschützer. Für sie gilt es daher auch mit der Tatsache umzugehen, dass Stadtwildnis ein Teil der Freiräume der Stadtbevölkerung ist und deshalb nicht hinter einen Zaun gehöre. Der dauerhafte Schutz der unterschiedlichen Ökosysteme hänge existenziell von einer starken öffentlichen Wertschätzung ab.


red

 

 

Lesen Sie auch:

 

Kunstobjekt: Dschungel im Wohnzimmer

Hendricks fördert Urwald in Thüringen

Verlassene Äcker in Russland bremsen den Klimawandel

Most Wanted

Sarah Baker Foto: LLL/flickr CC

Hoffnung für den Klimaschutz

Wissenschaftler am Lawrence Livermore Forschungslabor haben nicht nur den Schlüssel gefunden, mit...


Foto: Pixabay CC/PublicDomain/Pexels

Kehrseite des Sportevents: Tonnenweise Essensmüll

Superbowl: In der Nacht des Football-Endspiels der besten Teams verzehren die Zuschauer – im...


Foto: Pixabay CC/PublicDomain/Arek Socha

Neuer Ansatz für Ökoenergie: Strom aus Wassertropfen

Neue, Idee für die Energiewende: Wissenschaftler der City University Hongkong entwickelten einen...


Neu im global° blog

Foto: Pressenza (CC BY 4.0)

Atomwaffen verstoßen gegen das Recht auf Leben

Die Organisationen IALANA, IPPNW und ICAN weisen anlässlich des Tages der Menschenrechte auf den...


Foto: ZDF / Martin Kaeswurm

"Schattenmacht Blackrock"

Der amerikanische Finanzinvestor Blackrock verwaltet im Auftrag seiner Kunden über sechs Billionen...


Screenshot: gunther-moll.de

Die Botschaft

Eine lebenswerte Zukunft im Einklang mit der Natur ist auf diesem Planeten möglich, wenn wir uns...


Folgen Sie uns: