
Also doch: Elektrosmog macht Vögel orientierungslos: Rotkehlchen orientieren sich mit Hilfe eines Magnetkompasses in ihrem Gehirn. Forscher fanden nun heraus: Elektromagnetische Störungen im Mittelwellenbereich führen dazu, dass dieser Kompass ausfällt. Das Team um Henrik Mouritsen von der Universität Oldenburg veröffentlichte seine Forschungsergebnisse in der Fachzeitschrift Nature.
Die elektromagnetische Strahlung, die die Rotkehlchen beeinträchtigt, stammt nicht von Stromleitungen oder Mobilfunknetzen, sondern von elektrischen Geräten mit einer Strahlung im Frequenzbereich von 50kHz bis 5MHz, was dem Radiobereich entspricht. Die Versuchshütten, in denen die Rotkehlchen in sogenannten Orientierungskäfigen untersucht werden, befinden sich auf dem Campus der Universität Oldenburg und sind so den elektromagnetischen Strahlen von Elektrogeräten ausgesetzt, die im städtischen Umfeld allgegenwärtigen sind. Schirmt man die Hütten mit geerdeten Aluminiumplatten von der Strahlung ab, können sich die Rotkehlchen wieder orientieren.
Elektromagnetische Strahlung, die Zugvögel beeinträchtigt, liegt weit unter den Grenzwerten der WHO
Diese Entdeckung machten die Forscher zufällig. Sie konnten sich zunächst nicht erklären, warum die Rotkehlchen sich nicht orientieren konnten. Schließlich hatte Dr. Nils-Lasse Schneider, Elektrophysiologe und wissenschaftlicher Mitarbeiter in Mouritsens Arbeitsgruppe den Einfall, die Hütten gegen elektromagnetische Strahlung abzuschirmen. Die Aluminiumplatten haben keinen Einfluss auf das statische Magnetfeld der Erde, das für die Navigation der Rotkehlchen und anderer Zugvögel von Bedeutung ist, dämpfen aber die elektromagnetische Strahlung, den Elektrosmog. Nach 7 Jahren Forschung ist sich das Team nun sicher, dass der Elektrosmog die Orientierung von Zugvögeln stört.
Der Versuch könnte Anstoß für weitere Untersuchungen sein, um den Einfluss elektromagnetischer Strahlung auf den Menschen besser beurteilen zu können. Die Störungen, die die Vögel beeinträchtigen, sind tausend Mal niedriger als die Grenzwerte, die die WHO bestimmt hat.KAM
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