
Gefährliche Flammschutzmittel: Auch Ersatzstoffe für verbotene Flammenhemmer reichern sich im Fettgewebe an. Das bewies jetzt Roxana Sühring vom Institut für Küstenforschung des Helmholtz-Zentrums Geesthacht im Rahmen ihrer Doktorarbeit. Die Daten veröffentlichte die Wissenschaftlerin im Fachorgan Chemosphere.
Sühring untersuchte für ihre Arbeit Aale. Die schlanken Wasserbewohner reichern die Chemikalien in ihrem Fettgewebe an. Daher können Daten über die Belastung der Aale als verlässliche Anzeiger über die Ausbreitung der Stoffe in der Umwelt sein.
Sührings Kollege Marko Freese vom Thünen-Institut für Fischereiökologie in Hamburg nennt neben der Überfischung sowie der Veränderung ihrer Lebensräume vor allem die Belastung mit problematischen Umweltgiften als Ursache für den starken Bestandsrückgang der Tiere in den zurückliegenden drei Jahrzehnten. „Ich möchte herausfinden, welche Rolle die alten und neuartigen Flammschutzmittel beim Bestandsrückgang des Aals spielen“, sagt dazu Doktorandin Roxana Sühring. Sie liefert dafür Daten zum Projekt Data Collection Framework der EU-Kommission, bei dem Experten aus verschiedenen Instituten derzeit gemeinsame Ursachenforschung für den Artenrückgang sammeln und auswerten.
Hintergrund: Flammschutzmittel sollen Textilien oder Kunststoffe unbrennbar machen. Einige dieser Chemikalien aber sind gesundheitlich und ökologisch bedenklich. Zudem bauen sie sich in der Umwelt nur langsam ab. Deshalb ist seit 2004 nach dem so genannten Stockholmer Übereinkommen zu persistenten organischen Schadstoffen (POPs) die Herstellung und der Einsatz einiger Flammschutzmittel verboten. Dazu zählen etwa polybromierte Diphenylether (PBDE).

Flammschutz: Neue Mittel breiten sich in der Umwelt aus
Allerdings überlegten Chemiker in den Unternehmen, was sie anstelle der verbotenen Substanzen verwenden können und brachten Flammschutzmittel auf den Markt, „die derzeit noch nicht reguliert sind“, wie Wissenschaftler wie Roxana Sühring betonen. Immerhin beläuft sich der weltweite Einsatz solcher Chemikalien inzwischen auf mehrere hunderttausend Tonnen pro Jahr.
In ausgewachsenen Aalen fand Sühring, im Vergleich zu den von ihr untersuchten Jungaalen, im europäischen Vergleich nach wie vor hohe Konzentrationen der längst verbotenen PBDEs. Und: Die Wissenschaftlerin fand zudem bromierte Flammschutzmittel oder chlorierte Dechlorane in allen Lebensstadien der Aale.
In etwa 90 Aalen jeden Alters aus dem deutsch-dänischen Grenzfluss Vidå oder aus der Elbe analysierte Sühring diese Ersatzstoffe in höheren Konzentrationen als die PBDEs. Sührings Daten zeigen auch, wo die Tiere die Stoffe aufnahmen. Denn Aale leben in den Ozeanen und Mündungsbereichen der Flüsse, bevor sie ab einem Alter von ein bis drei Jahren flussaufwärts wandern. Die neuartigen Stoffe werden sowohl im Mündungsbereich von den Jungtieren als auch weiter flussaufwärts von den ausgewachsenen Tieren aufgenommen.
Die heute verbotenen PBDEs wurden überwiegend flussaufwärts nachgewiesen – vor allem in Proben aus Industriegebieten. Die wissenschaftlerin fand sogar Spuren des chlorierten Flammschutzmittels Dec-602. Es wird in Europa weder produziert noch nach Europa importiert! Zudem sind die Wirkungen dieser halogenierten organischen Verbindungen auf Umwelt sowie Menschen bis heute nicht ausreichend erforscht. Die Wissenschaftlerin regt daher weitere Nachprüfungen an.
pit
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