Gänsegeier in Hessen abgeschossen

Immer wieder werden Greifvögel in Deutschland abgeschossen: jüngstes Opfer ist ein seltener Gänsegeier. Bereits am 30. Juni fanden Vogelschützer des NABU das verletzte Tier nahe Breidenbach im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Nach einer Operation in der Klinik für Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische der Justus-Liebig-Universität Gießen und anschließender Physio- und Lasertherapie geht es dem Patienten nun wieder besser. Da der Geier aber aufgrund des Armdurchschusses nie wieder fliegen kann, wird er bis auf weiteres im Tier- und Naturschutzpark Herborn gepflegt.

 

Verletzter Gänsegeier auf der Intensivstation, Foto: NABU

 

Gänsegeier in Europa

 

Gänsegeier ernähren sich ausschließlich von Aas und besiedeln heute eine Zone von der Iberischen Halbinsel über den Balkan und die Türkei bis den Iran, Nordindien und die Mongolei. Dank gezielter Schutzprogramme und Fütterungsaktionen steigt die Zahl der Vögel in Südeuropa seit den 1980er Jahren wieder an. Rund 22.000 Brutpaare leben derzeit in Spanien, weitere 400 in Portugal, knapp 200 in Griechenland, 300 bis 500 in der Türkei sowie etwa 200 in den Balkanstaaten. In Südfrankreich gibt es aufgrund von erfolgreichen Auswilderungen Populationen mit insgesamt knapp 600 Brutpaare.

 

In der Vergangenheit war die Art viel verbreiteter und brütete im Mittelalter sogar noch in Süddeutschland. Auf der Schwäbischen Alb folgten die Greifvögel beispielsweise den Wanderhirten mit ihren großen Herden und fraßen die Kadaver verunglückter Schafe. Seit Tierkadaver aus Gründen der Seuchenbekämpfung nicht mehr liegen gelassen werden dürfen, fehlt den Geiern oftmals die natürlich Nahrungsgrundlage.

 

Vogelmord in Deutschland

 

Jedes Jahr werden in Deutschland Greifvögel abgeschossen oder vergiftet. Geahndet werden die Verbrechen in den wenigsten Fällen, da sie nur selten angezeigt oder die Täter nicht ermittelt werden. Daneben beklagen Vogelexperten vor allem das relativ milde Strafmaß, welches die Schützen und Giftmischer kaum abschreckt.

 

In seiner Pressemitteilung schreibt der NABU, dass allein in Nordrhein-Westfalen zwischen 2005 und 2009 180 Fälle von Greifvogelverfolgung registriert wurden, bei denen mehr als 360 Vögel getötet wurden. „Dies ist jedoch nur die Spitze des Eisberges, die meisten Taten bleiben unentdeckt. Die Tötung der geschützten Vögel muss auch in Deutschland angemessen geahndet werden“, so der NABU-Vogelexperte Lars Lachmann.


red

 

 

Lesen Sie auch

 

Die Hauskatze – ein Killer auf Samtpfoten?

Vogelstimmen-Apps gefährden Jungvögel

Jäger töten innerhalb weniger Stunden tausende Singvögel

Most Wanted

Sarah Baker Foto: LLL/flickr CC

Hoffnung für den Klimaschutz

Wissenschaftler am Lawrence Livermore Forschungslabor haben nicht nur den Schlüssel gefunden, mit...


Foto: Pixabay CC/PublicDomain/Pexels

Kehrseite des Sportevents: Tonnenweise Essensmüll

Superbowl: In der Nacht des Football-Endspiels der besten Teams verzehren die Zuschauer – im...


Foto: Pixabay CC/PublicDomain/Arek Socha

Neuer Ansatz für Ökoenergie: Strom aus Wassertropfen

Neue, Idee für die Energiewende: Wissenschaftler der City University Hongkong entwickelten einen...


Neu im global° blog

Foto: Pressenza (CC BY 4.0)

Atomwaffen verstoßen gegen das Recht auf Leben

Die Organisationen IALANA, IPPNW und ICAN weisen anlässlich des Tages der Menschenrechte auf den...


Foto: ZDF / Martin Kaeswurm

"Schattenmacht Blackrock"

Der amerikanische Finanzinvestor Blackrock verwaltet im Auftrag seiner Kunden über sechs Billionen...


Screenshot: gunther-moll.de

Die Botschaft

Eine lebenswerte Zukunft im Einklang mit der Natur ist auf diesem Planeten möglich, wenn wir uns...


Folgen Sie uns: