Lange nahmen Biologen an, dass eine stabile Umwelt die Artenvielfalt begünstigt. Nur wenn die Lebewesen genug Zeit haben, sich an die Umweltbedingungen anzupassen, können neue Arten entstehen. Eine Studie des LOEWE Biodiversitäts- und Klima-Forschungszentrums (BiK-F) deutet aber genau auf das Gegenteil hin: Die Forscher fanden heraus, dass sich gerade in instabilen, sich wandelnden Lebensräumen, deutlich mehr Arten bilden. Solche Bedingungen finden sich in geologisch dynamischen Regionen. Das sind vor allem Gebiete, in denen Gebirge oder Bergketten entstehen. Junge Gebirge bieten unbesiedelte Lebensräume, in denen einwandernde Arten diverse ökologische Nischen besetzen können. Die Anpassung an die vorgegebenen klimatischen und landschaftlichen Bedingungen leitet die Bildung von neuen Arten ein.

Brücke oder Barriere?
Zumeist verbindet man mit einem Gebirge ein Hindernis, dass schwer zu überwinden ist. Manche Organismen können die Kraft dafür nicht aufbringen. Für die meisten Tiere und Pflanzen ist eine Bergkette daher die natürliche Grenze ihres Lebensraumes. So verhinderten die Alpen nach dem Ende der letzten Eiszeit die Rückkehr von vorher bei uns beheimateten Baumarten. Deren Verbreitungsgebiet war aufgrund der Inlandvereisung auf ein kleines Refugium an den Mittelmeerküsten zusammengeschrumpft. Die Bestände waren dann zu geschwächt, um nach dem Abschmelzen der Gletscher wieder in ihr altes Gebiet jenseits der Alpen zurückzukehren. Manche Arten profitieren aber auch von Gebirgszügen. Für sie stellen diese eine Brücke zwischen Lebensräumen dar. Bergketten verbinden Landmassen und schaffen so neue Wege für sich ausbreitende Arten. In Gebirgsregionen vorkommende Arten sind meist sehr speziell an ihre jeweilige ökologische Nische angepasst. Normalerweise sind hoch spezialisierte Arten besonders von Umweltveränderungen, wie zum Beispiel der Erderwärmung, betroffen. Doch erstaunlicherweise meistern alpine Arten diese Herausforderung besser, als ihre Kollegen im Flachland. Sie müssen nämlich nicht so weit wandern, um wieder Temperaturen vorzufinden, die ihrem natürlichen Optimum entsprechen.

Auch das Umland profitiert von Gebirgen
Auch die angrenzenden Flachlandregionen bekommen etwas von dem Artenreichtum der Gebirge ab. Laufend wandern Spezies aus höheren Lagen ins Tal und erschließen dort neue Lebensräume. Nicht nur das unmittelbare Umfeld profitiert, auch weit ab gelegene Regionen stehen noch unter dem Einfluss der Bergregionen. Bei der Verwitterung von Gestein in den südamerikanischen Anden entstehen nährstoffreiche Sedimente. Diese werden durch Flüsse ins Amazonasbecken transportiert. Somit bilden die Anden die Grundlage für den einzigarten Artenreichtum der Amazonasregion. Die Nährstoffe der Anden beeinflussen sogar den atlantischen Ozean. Die durch den Amazonas eingeschwemmten Sedimente schaffen hier völlig andere Bedingungen als in angrenzenden Gewässern. Wegen des großen Einflusses der Gebirge auf die Entstehung und Verbreitung von Arten dürfen sie zu Recht als „Motoren der Evolution“ bezeichnet werden.
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