
Ob Mais, Soja oder Raps, das Problem ist immer das gleiche: Sobald gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut werden, gelangen sie in die Umwelt und verändern diese in einem nicht vorhersehbaren Ausmaß. So streift Gentechnik-Raps durch die Felder der USA, Kanadas, Japans, Australiens und auch Europas – und das wohlmöglich für immer.
Testbiotech veröffentlicht heute eine globale Übersicht über Fälle von unkontrollierter Ausbreitung von gentechnisch verändertem Raps. Anlass der Veröffentlichung ist die Konferenz ABIC 2013 im kanadischen Calgary. Dort trifft sich die internationale Agro-Gentechnik-Industrie unter dem wohlklingenden Motto „FOOD, WATER and ENERGY for a HUNGRY WORLD“.
Die Ergebnisse des Reports von Testbiotech, dem Institut für unabhängige Folgenabschätzung in der Biotechnologie dürften den Agro-Konzernen Magenschmerzen bereiten: Gentechnisch veränderte Pflanzen können nicht mehr aus der Umwelt entfernt werden! „In vielen Fällen hat sich das Erbgut von transgenem Raps weit über die Äcker hinaus in der Umwelt verbreitet. In einigen Fällen finden sich die DNA-Konstrukte auch in Populationen verwandter wildwachsender Arten“, heißt es in der Pressemitteilung.
Kanada: transgene Konstrukte in fast allen konventionellen Rapssorten
In Kanada verbreitet sich der transgene Raps wie ein Lauffeuer. 1995 wurde hier erstmals herbizidtoleranter Raps zugelassen. Mittlerweile wächst der Gentechnik-Raps auf über acht Millionen Hektar Land. 2003 kam ans Licht: Fast das gesamte konventionelle Raps-Saatgut enthält transgene Konstrukte.
Weitere Untersuchungen in Kanada ergaben: Entlang der Transportwege von den Anbaugebieten zu Überseehäfen – ein Großteil des kanadischen Rapses wird exportiert – haben sich transgene Ruderalpopulationen an Feldrändern gebildet. Eine Studie im Jahre 2010 zeigte wie schnell sich diese genetisch veränderten Pflanzen durchsetzen: 93 bis 100 Prozent der verwilderten Rapspflanzen an Feldrändern entlang der Transportwege in der Provinz Manitoba waren gentechnisch verändert.
Warum werden in Kanada keine Gegenmaßnahmen ergriffen? Für Christoph Then von Testbiotech liegt der Grund “in einem gravierenden Mangel an Problembewusstsein, vor allem bei der Industrie.“

„Die Pflanzen lassen sich kaum mehr aus der Umwelt zurückholen!“
Welchen Einfluss eine räumlich und zeitlich unbegrenzte Ausbreitung von Gentechnik-Pflanzen auf die Umwelt haben, ist nicht vorhersehbar. Ebenso wenig, ob und wie zum Beispiel der Klimawandel zu unerwarteten Wechselwirkungen führt. Doch das größte Problem: Was machen, wenn sich negative Auswirkungen zeigen? Ist es dann schon zu spät für Gegenmaßnahmen? Eins steht jedenfalls fest: „Die Pflanzen lassen sich kaum mehr aus der Umwelt zurückholen.“ – das zeigt das Beispiel der EU!
1996 erhielt die Firma Bayer die Zulassung für Freilandversuche mit drei gentechnisch veränderten Rapssorten. 2007 lief diese Marktzulassung aus. Obwohl diese drei Gen-Sorten nie großflächig angebaut wurden, fand man dennoch Kontaminationen in konventionellen Rapssorten – in Schweden blühte sogar noch zehn Jahre später herbizidresistenter Raps auf den Versuchsflächen. Somit musste die EU-Kommission Ausnahmeregelungen für die nächsten fünf Jahre erlassen: 0,9 Prozent Kontamination erlaubt, hieß es im Jahre 2007. 2012 wurden diese Regelungen für weitere fünf Jahre verlängert, weil immer noch „Kontaminationen mit den transgenen Pflanzen von Bayer festgestellt wurden.“
Fazit des Reports: „Das Beispiel der EU zeigt, dass auch im Falle einer eher geringfügigen unkontrollierten Verbreitung lange Zeiträume kalkuliert werden müssen, bis eine Belastung mit gentechnischen verändertem Raps minimiert werden kann. Ob in Ländern wie Kanada oder USA der gentechnisch veränderte Raps jemals aus der Umwelt zurück geholt werden kann, muss bezweifelt werden.“
CFE
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